SAP Plattner sieht sich auf Augenhöhe mit IBM
Mannheim - "Aus dem Shooting Star der neunziger Jahre ist ein Weltklasseunternehmen geworden, das nun in einer Liga mit IBM, Microsoft und Oracle antritt", sagte Plattner in seiner letzten Rede als Vorstandssprecher auf der Hauptversammlung am Freitag in Mannheim. Deshalb werde der künftige Erfolg des Unternehmens ein anderer sein als jener im letzten Jahrzehnt.
Was genau er mit dieser Andeutung meinte, ließ Plattner, der künftig den Vorsitz im Aufsichtsrat übernimmt, allerdings offen. Möglicherweise lässt er damit erkennen, dass er die Grenzen des ungestümen Wachstums allmählich erreicht sieht. Vorläufig jedenfalls ist von Wachstum nicht mehr viel zu spüren. Im ersten Quartal hatte SAP erneut mit einem drastisch schrumpfenden Software-Markt zu kämpfen. Im Bereich betriebswirtschaftliche Standardsoftware gingen die Gesamtumsätze um 23 Prozent zurück.
Entsprechend vorsichtig ist auch der Ausblick, den Plattners Kollege Henning Kagermann während seines Berichts über die Geschäftsentwicklung skizzierte. Die Tendenz der Kunden, laufende IT-Kosten zu senken und gerade zu Beginn eines Geschäftsjahres äußerst zurückhaltend in neue Softwareprojekte zu investieren, nehme zu, sagte Kagermann. "Die Folge sind kleinere Aufträge und ein äußerst scharfer Konkurrenzkampf im Markt mit zunehmendem Preis- und Margendruck." In einer außerordentlich schwierigen Zeit habe sich SAP aber immer noch besser geschlagen als der Wettbewerb.
Der Softwarekonzern hatte im ersten Quartal 2003 das operative Ergebnis um 60 Prozent auf 298 Millionen Euro gesteigert. Bereinigt um Sonderfaktoren wie anteilige Kosten für das Aktienvergütungsprogramm verbesserte es sich um 28 Prozent auf 304 Millionen Euro. Der Umsatz sank dagegen beeinflusst durch den starken Euro um acht Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Ohne Währungseinflüsse stieg er um ein Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Trotz der tristen Gesamtsituation bekräftigte Kagermann seine ursprüngliche Prognose, wonach die operative Marge um rund ein Prozent wachsen soll. SAP könne sich zwar nicht ganz den Markteinflüssen entziehen, sei aber für fast jedes erdenkliche Szenario gut aufgestellt.
Sollte die momentane Konjunkturschwäche jedoch länger anhalten und sich keine Erholung für die Softwarebranche gegen Jahresende abzeichnen, werde SAP die Schwerpunkte auf den Gewinn von Marktanteilen und die kontinuierliche Verbesserung der operativen Marge legen, erklärte Kagermann.