SAP Walldorfer Mitarbeiter fürchten Amerikanisierung
Frankfurt am Main/Hamburg - Mario Günter, Geschäftsführer der SAP-Anwendergruppe DSAG, forderte den Walldorfer Konzern auf, die Anforderungen seiner deutschsprachigen Kunden nicht aus den Augen zu verlieren. Er könne es zwar verstehen, wenn SAP seine Entwicklung auf mehrere globale Standorte verteile, sagte Günter der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er würde es aber sehr begrüßen, wenn Deutschland als Entwicklungsstandort "federführend" bleibe. Die DSAG vertritt unter anderem Kunden wir E.on, BASF und Lufthansa und bezeichnet sich selbst als größte SAP-Anwendergruppe.
Auch Mitarbeiter des Software-Unternehmens befürchten dem Bericht der Zeitung zufolge, die "Amerikanisierung" ihres Konzerns könne weiter fortschreiten. Leitende Mitarbeiter sähen mit Sorge, wie immer mehr Kernbereiche der Softwareentwicklung nach Übersee abwanderten. Der Entwicklungsvorstand von SAP, Shai Agassi, sitzt am kalifornischen Standort Palo Alto, wo SAP zuletzt auch Manager von Peoplesoft, Oracle oder Siebel abgeworben hat. Die Belegschaft in Walldorf kritisiere, dass viele dieser Manager den badischen Entwicklungsstandort nie zu Gesicht bekämen, so das Blatt.
Kagermann: Nehme "Widerstände" ernst
Vorstandschef Henning Kagermann räumt Probleme ein. In einem Zeitungsinterview sprach er von "Widerständen" in der deutschen Belegschaft und betonte, er nehme dieses sehr ernst. Er begegne den Befürchtungen mit intensiver Aufklärungsarbeit. Es sei aber heute nicht mehr möglich, dass ein einzelner Entwicklungsstandort wie Walldorf alles mache. Das bedeute nicht, dass Walldorf herabgestuft werde. Ein SAP-Unternehmenssprecher ergänzte, von einer Verlagerung von Personal aus Deutschland in die USA könne keine Rede sein.
In der Vergangenheit war Walldorf der dominante Entwicklungsstandort. Inzwischen gibt es eine andere Verteilung: In Indien entwickelt SAP einfache Programmteile, in Amerika Designs und in Deutschland komplexe Software. Kagermann selbst spricht von einem "Konzert von Entwicklungsstandorte".