Scania Volkswagen steigt in die Lkw-Klasse ein
Stockholm/Wolfsburg - Der Deal kostet VW rund 3,25 Milliarden Mark. Der Konzern erwirbt von der schwedischen Familie Wallenberg 18,7 Prozent des Kapitals sowie 34 Prozent der Stimmrechte am Lastwagen- und Bushersteller Scania. Damit übernehmen die Deutschen gleichzeitig die unternehmerische Führung. Der schwedische Konkurrent Volvo hält nur 30,9 Prozent der stimmberechtigten Aktien, jedoch 45,5 Prozent des Kapitals an Scania. Nach Angaben von Volkswagen soll sich auch nichts an diesem Beteiligungsmodell ändern. Man habe kurzfristig keine Optionen auf weitere Aktien, sagte VW-Chef Ferdinand Piëch in Stockholm.
Die Wallenberg-Gruppe wird für mindestens zwei weitere Jahre 15,3 Prozent der Stimmrechte und 9,1 Prozent des Kapitals von Scania behalten. "Wir fühlen uns für Scania verantwortlich, und wir halten Volkswagen für den idealen, langfristigen, starken und neuen führenden Eigner in diesem Unternehmen", sagte Marcus Wallenberg. Die schnelle Entscheidung sei nötig gewesen, damit keine lange Phase der Unsicherheit für Scania, seine Beschäftigten und die Aktionäre von Investor entstehe. Man habe auch eine Lösung gesucht, die von der EU-Kommission gebilligt werde.
Mit dem Verkauf an die Wolfsburger zieht die Familie Wallenberg binnen zwei Wochen die Konsequenz aus dem Veto der EU-Wettbewerbshüter gegen die Fusion von Scania mit Volvo. Die EU-Kommission war am Montag noch nicht über den Einstieg von VW informiert. Bei einer Kontrolle von Scania durch VW müsse das Vorhaben wettbewerbsrechtlich geprüft werden, hieß es aus Brüssel. Allerdings erwarten Experten keine größeren Probleme, da VW bislang nur leichte Transporter und keine schweren Lkw wie Scania baut.
Piëch bot Volvo eine Zusammenarbeit an. VW strebe eine Kooperation mit "den anderen Aktionären" an, um Scanias Position als einer der weltweit führenden Lkw-Hersteller auszubauen. Zunächst wollen - nach inoffiziellen Angaben - VW und Scania einen neuen Mittelklasse-Lkw zwischen 17 und 19 Tonnen entwickeln und produzieren.
Scania gilt als eine der weltweit profitabelsten Lkw-Marken und ist mit gut 50.000 verkauften Lkw und Bussen nach DaimlerChrysler und Volvo Nummer drei in Europa. Das Unternehmen erzielte 1999 einen Umsatz von rund elf Milliarden Mark und einen Gewinn von mehr als einer Milliarde Mark.