Schaeffler-Offerte: Continental lehnt Übernahmeangebot ab - DER SPIEGEL
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Schaeffler-Offerte Continental lehnt Übernahmeangebot ab

Der Autozulieferer Continental wehrt sich gegen die drohende Übernahme durch die Schaeffler-Gruppe. "Die opportunistische Offerte spiegelt den wahren Wert des Unternehmens nicht annähernd wider", teilt der Konzern mit. Auch die Gewerkschaften kündigen massiven Widerstand an.
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Hannover - "Die industrielle Logik dieses Vorstoßes überzeugt nicht." Mit diesen Worten lehnt der Autozulieferer Continental das Übernahmeangebot der Schaeffler-Gruppe ab. Schaeffler habe sich auf "rechtswidrige" Weise angeschlichen, um die Kontrolle über Conti zu erlangen.

Die "opportunistische Offerte" spiegele den wahren Wert des Unternehmens nicht annähernd wider, teilte Conti am heutigen Mittwoch in Hannover mit. Conti habe als eigenständiges Unternehmen eine hervorragende Zukunftsperspektive. "Continental würde Schaeffler nützen, Schaeffler aber nicht Continental."

Das fränkische Familienunternehmen Schaeffler hatte den Conti-Aktionären gut elf Milliarden Euro geboten. Pro Aktie bedeutet dies 69,37 Euro in bar. Das Unternehmen strebt nach eigenen Angaben eine strategische Beteiligung von mehr als 30 Prozent an, aber nicht notwendigerweise eine Mehrheit.

Conti glaubt dies jedoch nicht. "Die öffentlich getätigten Aussagen, dass die Schaeffler Gruppe angeblich nur eine Minderheitsbeteiligung anstrebt und die gesunde Struktur von Continental nicht antasten will, sind nach den geführten Gesprächen unglaubwürdig", teilte der Autozulieferer mit.

Der Continental-Vorstand sei bereit gewesen, eine bis zu 20-prozentige Finanzbeteiligung von Schaeffler zu unterstützen. Die Franken hätten jedoch auf einer Kontrollbeteiligung von mehr als 30 Prozent bestanden. Conti lässt sich im Kampf gegen die Übernahme von der Investmentbank Goldman Sachs   beraten.

Schaeffler reagierte kühl auf die Antwort aus Hannover. Man nehme die Zurückweisung zur Kenntnis. "Letztlich werden aber die Aktionäre entscheiden", sagte ein Sprecher. Die Tür sei nicht zu. "Wir würden gerne weitere Gespräche führen." Schaeffler sei rechtmäßig vorgegangen. "Unsere Ziele sind absolut freundlich", betonte der Sprecher.

Gewerkschaften wollen Übernahme vereiteln

Allerdings stößt Schaeffler immer offener auf Widerstand: Auch die Gewerkschaften laufen Sturm gegen die Offerte. Der Vorsitzende der IG Bergbau Chemie Energie (IG BCE), Hubertus Schmoldt, sagte der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", er fürchte eine Zerschlagung von Continental.

Gleichzeitig wirft Schmoldt dem Conti-Vorstandsvorsitzenden Manfred Wennemer massive Versäumnisse vor. "Man muss schon fragen, welche Vorsorge Manfred Wennemer getroffen hat", sagte Schmoldt dem Bericht zufolge. Nach der Übernahme der Siemens-Sparte VDO und der Aufnahme "riesiger Kredite" habe Wennemer damit rechnen müssen, "dass andere auch Monopoly spielen". Für diesen Fall hätte sich Wennemer in Kooperation mit Banken absichern müssen. "Und zwar so, dass er einen Übernahmeversuch verhindern kann", sagte Schmoldt.

Die IG BCE fürchte jetzt, das Continental zerschlagen werden soll. Die Art und Weise, wie Schaeffler bei der Aktienbeschaffung vorgegangen sei, bestätige die schlimmsten Befürchtungen, sagte Schmoldt. Er gehe davon aus, "dass man Conti filetieren und Teile, also etwa das Reifengeschäft, verkaufen wird". Die IG BCE werde daher in Zusammenarbeit mit der IG Metall alles daran setzen, die Übernahme zu vereiteln.

IG-BCE-Vorstandsmitglied Werner Bischoff sagte, die Gewerkschaft wolle die Conti-Übernahme durch Schaeffler abwehren. Das werde in der kommenden Woche in einer Strategiediskussion mit den Eignern im Aufsichtsrat geprüft. Bischoff sitzt selbst für die Arbeitnehmerseite im Continental-Aufsichtsrat.

Neun Banken haben für Schaeffler Aktien gekauft

Im Übernahmepoker um Continental spielen mehrere Banken eine entscheidende Rolle. Laut einem Pressebericht haben sie sich im Auftrag von Schaeffler mit Conti-Papieren eingedeckt. Insgesamt neun Institute hätten für Schaeffler Aktien oder entsprechende Optionen gekauft, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf Finanzinsider.

Die Institute kontrollieren demnach jeweils 2,999 Prozent an Conti und liegen damit unter der gesetzlichen Meldeschwelle von drei Prozent. Schaeffler selbst hält offenbar ebenfalls 2,999 Prozent und hat über Optionen Zugriff auf die Bankenbeteiligungen. Damit kommt das Unternehmen auf knapp 30 Prozent.

Bei den Banken handelt es sich laut "FAZ" um die Deutsche Bank   und die Commerzbank  , die Allianz-Tochter Dresdner Bank, die Schweizer Großbanken UBS   und Credit Suisse  , die italienische UniCredit, das US-Institut Merrill Lynch  sowie die Royal Bank of Scotland  . Die UBS hatte ihren Anteil an Conti erst vor wenigen Wochen auf unter drei Prozent gesenkt. Die Bank hatte Mitte Juni per Pflichtmitteilung bekannt gegeben, ihr Anteil sei auf 1,54 Prozent gefallen.

Continental ist im Deutschen Aktienindex (Dax  ) gelistet. Das Unternehmen gehört damit zu den 30 größten börsennotierten Aktiengesellschaften Deutschlands.

wal/AFP/ddp/dpa-AFX/AP/Reuters