Schandflecke
Hundert Angestellte des großen Moskauer Kaufhauses Univermag sind den ganzen Tag damit beschäftigt, die eingehenden Waren zu sortieren. In Brauchbares und Unbrauchbares.
Viele Artikel, die als nagelneu geliefert werden, wandern auf den Abfallhaufen. Ein großer Teil der anlaufenden 57-Millionen-Rubel-Produktion zur Deckung des dringendsten Konsumbedarfes ist Schund.
Die Lieferanten des Univermag-Magazins zahlten im letzten Jahr für minderwertige Lieferungen eineinhalb Millionen Rubel Geldstrafe. 2800 Paar Strümpfe der Tuschinow-Strumpffabrik mußten weggeworfen werden. Von 46000 Metern Seide aus Krasnaya der Seidenfabrik waren zehn Prozent unbrauchbar. Und unter den Schuhen aus der großen Fabrik in Dnjepropetrowsk waren Tausende nur noch zu Heizzwecken verwendbar.
Die »Prawda« bringt in einer Artikelserie diese »Fabriken mit kapitalistischen Produktionsmethoden« an den Pranger. Das amtliche Moskauer Blatt fürchtet um den Erfolg der Stalinparole: Erfüllung des laufenden Fünf-Jahres-Planes in vier Jahren. (Die Durchschnittsproduktion für 1947 wird von den Kreml-Statistikern mit 103,5 Prozent beziffert).
Die Schuhe der Fabrik in Dnjepropetrowsk tragen als Warenzeichen einen Löwen, der mächtig ausschreitet. Die Prawda schreibt dazu, man solle den Löwen ja nicht in Versuchung führen, er sei barfuß. Aber wenn er diese Schuhe anziehen müßte, würde er riesige Hühneraugen bekommen.
Die Zeitung ruft zum Kampf gegen derartige Betriebe auf. Sie seien Schandflecke in der fortschrittlichen sozialistischen Wirtschaft.
Die sozialistischen Schuster wagten eine Antwort auf den Rüffel: Die Absätze kämen aus Kiew. Sie seien meist nicht zu gebrauchen. Das Oberleder aus Charkow sei falsch gegerbt worden. Die Gummisohlen seien von sehr schlechter Qualität. Des Pudels Kern liege in der allgemeinen schlechten Materialverarbeitung.