Schelte vom Mutterkonzern Für Vattenfall-Chef Rauscher wird es eng
Berlin - Der schwedische Mutterkonzern des Kraftwerksbetreibers Vattenfall hat das Krisenmanagement bei der jüngsten Pannenserie scharf kritisiert. "Es hat sich eine äußerst unglückliche Situation in Deutschland entwickelt", sagte Vorstandschef Lars Göran Josefsson der "Berliner Zeitung". Aus der Pannenserie und dem Umgang damit sei eine "Frage des Vertrauens zu Vattenfall" entstanden. "Wir waren unfähig, richtig zu kommunizieren."
Personelle Konsequenzen wie die Entlassung des Chefs der Kernenergiesparte, Bruno Thomauske, schloss Josefsson nicht aus. "Für solche Entscheidungen ist es aber noch zu früh", erklärte der Vorstandsvorsitzende. Josefsson leitet den schwedischen Staatskonzern Vattenfall AB, dessen deutsche Tochter Vattenfall Europe die Kernkraftwerke in Brunsbüttel und Krümmel betreibt.
Dass es nach der Pannenserie Konsequenzen geben werde, bestätigte auch ein Unternehmenssprecher in Deutschland. Derzeit werde geprüft, welche Folgerungen aus den bisherigen Erkenntnissen gezogen werden könnten, sagte Vattenfall-Sprecher Ivo Banek. In den nächsten Tagen werde es Entscheidungen dazu geben. Nicht kommentieren wollte er Zeitungsberichte, in denen über ein Aus für Thomauske oder sogar über eine Ablösung von Vattenfall-Europe-Chef Klaus Rauscher spekuliert wurde.
Der "Tagesspiegel am Sonntag" berichtet ohne Quellenangabe, bei Vattenfall stünden weit reichende Veränderungen im Organisationsablauf bevor. Auch die Abberufung Thomauskes sei nicht mehr ausgeschlossen. In "Welt am Sonntag" hieß es unter Berufung auf Kreise des Vattenfall-Mutterkonzerns in Stockholm, es werde Konsequenzen der verschiedensten Art geben. Auch Vattenfall-Europe-Chef Rauscher gerate zunehmend unter Druck.
Ein Sprecher von Josefsson sagte, die Konzernspitze in Stockholm verfolge die Vorgänge sehr genau. Man sehe, dass die Situation für das Vertrauen in Vattenfall problematisch sei. Zu den Spekulationen um Rauscher sagte der Sprecher: "Kein Kommentar." Für Beobachter ist dies alles andere als ein Dementi.
Unterdessen hat das für die Atomaufsicht zuständige schleswig-holsteinische Sozialministerium eine Prüfung eingeleitet, ob Vattenfall die Betriebserlaubnis für Kernkraftwerke entzogen wird. Durch seine Informationspolitik habe der Konzern das Vertrauen der Menschen in seine Zuverlässigkeit öffentlich und politisch verspielt, erklärte Ministerin Gitta Trauernicht (SPD).
wal/AP/Reuters