Schering-Übernahme: Merck-Chef hat gepokert - DER SPIEGEL
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Schering-Übernahme Merck-Chef hat gepokert

Der Merck-Konzern heizte das Gezerre um den Pharmakonzern Schering an, um sich für ein mögliches Scheitern des Rivalen Bayer zu wappnen. Anlegerschützer fordern nun verschärfte Regeln für Übernahmeschlachten.
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Berlin - "Wir wollten eine Basis schaffen, um auf ein mögliches Scheitern des Bayer-Gebots reagieren zu können. Um für diesen Fall selbst ein wichtiger Aktionär zu bleiben oder möglicherweise auch irgendwann auf 30 Prozent zu kommen", sagte Merck-Chef Michael Römer der "Financial Times Deutschland".

In den vergangenen Wochen hatten Merck   und der Konkurrent Bayer   intensiv um Schering   gerungen. Erst wollte Merck Schering übernehmen und bot 77 Euro je Schering-Aktie. Dann stieg Bayer mit einer Offerte von 86 Euro je Anteilsschein in den Wettkampf ein. Als Merck damit begann, ständig Schering-Aktien aufzukaufen, geriet Bayer in Bedrängnis. Solch ein Störfeuer war in der Pharmabranche bisher unüblich. Merck hatte am Mittwoch schließlich mit dem Verkauf seines Schering-Anteils von 22 Prozent an Bayer den spektakulärsten Übernahmekampf in der deutschen Industriegeschichte beendet.

Aus dem Verkauf erzielt Merck nach eigenen Angaben einen Gewinn von 400 Millionen Euro. Merck und Bayer hatten mit ihrer Einigung außerdem die Prüfung von Kooperationen angekündigt, dazu aber keine konkreten Angaben gemacht. Experten hatten unter anderem vermutet, das Familienunternehmen habe sein Schering-Paket als Faustpfand verwenden wollen, um Bayer zu Vertriebsvereinbarungen, zur Abgabe von Patenten oder Medikamenten in der Entwicklung zu bewegen.

"Wir haben nach der Bayer-Offerte nicht mehr weitergeboten. Daraus hat jeder geschlossen, wir hätten nicht mehr als 77 Euro gezahlt", sagte Römer. "Die 86 Euro wären noch vertretbar gewesen wir wollten aber nicht in einem Bieterkampf noch viel mehr zahlen."

Verschärfte Bestimmungen gefordert

Aktienexperten forderten angesichts der Übernahmeschlacht um Schering eine Verschärfung der Bestimmungen. Investoren sollten besser und schneller darüber informieren müssen, wenn sie große Aktienpakete an einem Unternehmen erwerben: "Unsere Meldeschwellen bei der Übernahme börsennotierter Unternehmen sind nicht in Ordnung", sagte der Präsident des Deutschen Anlegerschutzbundes, Ulrich Hocker, der "Berliner Zeitung".

Derzeit müssen Aktienkäufe bei der Börsenaufsicht nur bekannt gemacht werden, wenn fünf, zehn und 25 Prozent der Anteile an einem Unternehmen erworben werden. "Man sollte zumindest zwischen zehn und 25 Prozent zwei weitere Meldeschwellen einbauen", forderte Hocker.

"Wenn sich ein Unternehmen wie ein reiner Finanzinvestor verhält, dann liegt das natürlich im Grenzbereich", kritisierte Wolfgang Gerke, Professor für Bank- und Börsenlehre, an der Universität Nürnberg. Früher sei so etwas nicht üblich gewesen, "da hat man sich im Vorfeld abgesprochen." Rechtlich ist das Vorgehen nach Ansicht von Friedrich Thießen von der Universität Chemnitz nicht zu beanstanden: "Hedgefonds und Private-Equity-Investoren machen solche Strategien vor und die anderen werden sie nachmachen."

Der Darmstädter Merk-Konzern peilt nun eine Zusammenarbeit mit Bayer unter anderem auf dem Gebiet der Krebsmedizin an. Es gebe viele interessante Arbeitsfelder, auf denen eine Zusammenarbeit zukünftig etwas bringen könne, sagte Merck-Chef Michael Römer in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Auf die Frage, wie konkret Merck in den Gesprächen mit Bayer geworden sei, antwortete der Manager: "Es gibt keinerlei Vereinbarungen."

tim/dpa/Reuters