Schiefe Ebene
Die armen Bundesländer sind dabei, die wichtigste Waffe Schillerscher Wirtschaftspolitik -- das Stabilitätsgesetz -- zu zerstören. Auf Vorschlag der finanzschwachen Länder Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bayern soll der Bund gesetzlich verpflichtet werden, bei kommenden Konjunkturkrisen seine Milliarden-Spritzen zur Wiederankurbelung der Wirtschaft vorzugsweise in armen Gebieten einzusetzen. Umgekehrt sollen zur Abkühlung eines künftigen Booms zwar im Ruhrgebiet weniger Straßen, Wohnungen und Hallenbäder gebaut werden, nicht aber im Bayerischen Wald. Otto Schlecht, in Schillers Wirtschaftsministerium für Konjunkturpolitik zuständig, erschrocken: »Das würde die Global-Steuerung auf die schiefe Ebene bringen.« Überdies, so fürchten Kritiker in Bonn und der Provinz, würde »ein verbrieftes, plakatiertes Ausnamerecht für die armen Gebiete« (Schlecht) eine Flut weiterer Sonderwünsche auslösen. Hans Spilker, Konjunkturfachmann in Hamburgs Wirtschaftsressort: »Dann kommen doch auch die Kohleleute und die Bauern und wollen ihre eigenen Konjunkturbrötchen.«