Schlagabtausch Streit um SAP-Betriebsrat eskaliert
Düsseldorf - "Wir prüfen alle Varianten", sagte ein Unternehmenssprecher dem "Handelsblatt". Damit droht der Streit um eine Arbeitnehmervertretung beim größten deutschen Software-Hersteller zu eskalieren.
Nachdem sich die Belegschaft vor rund einer Woche gegen die Einführung eines Betriebsrates entschieden hatte, haben dem Bericht zufolge drei Beschäftigte beim Arbeitsgericht Mannheim Antrag auf Bestellung eines Wahlvorstandes gestellt. Nach dem Betriebsverfassungsgesetz kann ein Gericht einen Wahlvorstand erzwingen. Die Entscheidung soll jetzt Mitte April fallen.
Der Arbeitsrechtsexperte Jobst-Hubertus Bauer räumt SAP gute Chancen ein, Betriebsratswahlen zu verzögern. Eine Klärung vor dem Bundesarbeitsgericht brauche Jahre, sagte er dem Blatt. Gegen einen Beschluss des Bundesarbeitsgerichts könnte SAP zudem Verfassungsbeschwerde erheben. Bauer hält es für wahrscheinlich, dass die obersten Richter ein "angemessenes Quorum" verlangen und sich damit auf die Seite der großen Mehrheit der SAP-Beschäftigten schlagen, die gegen einen Betriebsrat votiert hatten.
SAP ist der einzige Dax-Konzern, bei dem es keinen Betriebsrat gibt. Das 1972 gegründete Unternehmen beschäftigt rund 32.000 Mitarbeiter, davon etwa 13.500 in Deutschland. 2005 wurde SAP vom Wirtschaftsmagazin "Capital" zu Deutschlands bestem Arbeitgeber in der Kategorie Unternehmen mit mehr als 5000 Mitarbeitern gekürt.
suc/ddp