Schlechte Absatzzahlen: VW feuert führenden Vertriebsmanager - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Schlechte Absatzzahlen VW feuert führenden Vertriebsmanager

Seit Monaten schleppen sich die Verkaufszahlen und die Ersatzteillieferungen von Volkswagen dahin. Der VW-Vorstand hat nun personelle Konsequenzen gezogen und Vertriebsvorstand Hans-Ulrich Sachs den Stuhl vor die Tür gestellt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wolfsburg - Der Rausschmiss von Sachs bringt das Personalkarussell bei VW ins Drehen. Zahlreiche weitere Positionen im Vertrieb würden ebenfalls neu besetzt, teilte Volkswagen mit.

Der SPIEGEL hatte berichtet, dass Detlef Wittig - bisher Vertriebschef der Tochtermarke Skoda - zum 1. Juli Nachfolger von Sachs wird. Wittigs Posten wiederum wird laut VW vom bisherigen Seat-Vertriebschef Detlef Schmidt übernommen. In den Seat-Vorstand zieht als Vertriebschef Lars-Henner Santelmann ein, bislang Leiter des VW-Vertriebs in Süd-Ost-Europa. Unberührt von dem Personalkarussell im Vertrieb bleibt die Position von Konzernvorstand Robert Büchelhofer als oberster Vertriebschef des VW-Konzerns.

Sachs war von VW-Chef Ferdinand Piëch eigens nach Wolfsburg geholt worden, um den VW-Vertrieb auf Vordermann zu bringen. VW-Händler berichteten jedoch, dies sei ihm nicht gelungen. Das Fass zum Überlaufen brachte womöglich eine peinliche Panne bei der Präsentation der neuen VW-Autostadt vor VW-Händlern vorige Woche. Die geplante Anlieferung neuer Modelle in die Autostadt habe überhaupt nicht funktioniert, berichtete ein Händler.

Volkswagen hatte in den vergangenen Monaten in Deutschland deutlich weniger Autos verkauft als im vorigen Jahr. Allerdings war der Autoabsatz in Deutschland insgesamt noch stärker zurückgegangen. Das Votum der Händler ist eindeutig: Am VW-Vertrieb im Inland muss einiges getan werden. Kunden seien meist besser informiert gewesen als die Händler. Die Liefersituation habe sich verschlechtert.

Trotz mehrmaliger Nachfrage seien bestellte Dieselmodelle nicht zu bekommen, klagte der Geschäftsführer eines VW-Autohauses in Wunstorf bei Hannover. Auch die Preispolitik von VW stößt auf Kritik. Versuche, mit dem Vertrieb ins Gespräch zu kommen, seien gescheitert. Am VW-Callcenter für die Händler wird bemängelt, dass es "schlecht besetzt" sei. "Dadurch werden häufig falsche Ersatzteile geliefert", erklärte der Geschäftsführer eines Wiesbadener Autohauses.

Nach SPIEGEL-Information muss auch VW-Finanzvorstand Bruno Adelt das Unternehmen vor seinem Vertragsende 2002 eventuell verlassen. Als Nachfolger sind Volkswagen-Vorstand Jens Neumann, zuständig unter anderem für Konzernstrategie und Recht, und VW-Aufsichtsrat und Ex-Deutsche-Bank-Vorstand Krumnow im Gespräch.