Schlechte Luft - DER SPIEGEL
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Luftfahrt Schlechte Luft

Zwei Stuttgarter Rechtsanwälte klagen gegen die Lufthansa. Sie fordern ein Rauchverbot auf Inlandflügen.
• aus DER SPIEGEL 1/1991
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Dreiundzwanzigmal flog Mark Binz, 41, im vergangenen Jahr mit einer Lufthansa-Maschine. Der Stuttgarter Anwalt reiste nach Hamburg, nach Hannover oder Düsseldorf.

Es war für Binz jedesmal eine Strapaze. In den Flugzeugen reisten Raucher mit, und obwohl die abgesondert ein paar Meter weiter weg saßen, fühlte Binz sich durch den Qualm belästigt.

Im November war der Anwalt die schlechte Luft in der Luft leid. Zusammen mit seinem Sozius Martin Sorg, ebenfalls Nichtraucher, beauftragte er den Stuttgarter Kollegen Rüdiger Zuck, 58, beim Landgericht Klage gegen die Lufthansa einzureichen.

Der Verfassungsrechtler will die Lufthansa verpflichten, für alle Inlandflüge »ein uneingeschränktes Rauchverbot anzuordnen und dieses Rauchverbot gegenüber ihrem in den Flugzeugen eingesetzten Personal und den Fluggästen durchzusetzen«.

Zuck verlangt genau das, was die Lufthansa von Oktober an machen wollte. In den Winter-Flugplänen ist zu lesen: »Eine gute Nachricht für unsere Kunden: Auf allen Inlandflügen fliegt Lufthansa ,rauchfrei'.« Und weiter: »Wir haben uns gründlich mit dem Thema befaßt. Unsere Untersuchungen haben ergeben, daß die überwältigende Mehrheit unserer Fluggäste für Nichtraucherflüge dankbar ist.«

Der guten Nachricht folgte dann die schlechte Tat. Wenige Tage vor dem Beginn des Winter-Flugplans beschloß der Lufthansa-Vorstand, auf das geplante Rauchverbot zu verzichten. Die nett formulierte Ankündigung konnte die Firma nicht mehr aus den bereits gedruckten Plänen entfernen.

Die Luftfahrt-Manager hielten für ihren Rückzieher eine wenig glaubhafte Erklärung bereit: Es bestehe die Gefahr einer »Konfrontation und Polarisierung« unter den Fluggästen. »Unser Personal hätte sich zu Polizisten aufspielen müssen«, erklärte Lufthansa-Chef Heinz Ruhnau in einem SPIEGEL-Gespräch.

In Wahrheit hatten Ruhnau und Kollegen vor den Interessenvertretern der Tabakbranche kapituliert. Eine »Erste Raucher Lobby« hatte die abwegige Drohung ausgestoßen, daß ihre »3400 aktiven Sympathisanten« nicht mehr mit der Lufthansa fliegen würden.

Der Verband der Cigarettenindustrie plante, die Raucher moralisch aufzurüsten. In einer Anzeigenkampagne sollte für mehr Toleranz geworben werden, mit deutlichen Anspielungen auf die Lufthansa.

Ganz diskret wiesen die Zigaretten-Manager bei den Bonner Politikern darauf hin, daß ein Rauchverbot der Lufthansa sich auf das Parteispenden-Aufkommen der Tabakindustrie auswirken könnte. Die Lufthansa befindet sich schließlich mehrheitlich in Bundesbesitz.

Als mächtigster Verbündeter der Tabaklobby profilierte sich Bild. »Lufthansa droht: Raucher in Handschellen«, lautete eine Schlagzeile.

Die Lufthansa-Manager bekamen Angst. Eilig mühten sie sich in Bonn um Unterstützung. Doch weder Gesundheitsministerin Ursula Lehr und erst recht nicht Verkehrsminister Friedrich Zimmermann mochten sich gegen die Tabaklobby in Stellung bringen lassen.

Verfassungsrechtler Rüdiger Zuck will das Rauchverbot nun durchsetzen. Der Stuttgarter Anwalt beruft sich auf die »Schutzpflicht« der Lufthansa. Das Flugunternehmen müsse sich so verhalten, daß »Person, Eigentum und sonstige Rechtsgüter . . . nicht verletzt werden«. Das aber sei beim unentrinnbaren Passivrauchen in der engen Flugzeugkabine nicht gewährleistet.

Dies, so Zuck weiter, sei um so schlimmer, als die Lufthansa im innerdeutschen Flugverkehr praktisch ein Monopol besitze.

Anwalt Zuck geht nicht nur den Rechtsweg. In einem Brief an den Verkehrsminister regte er an, in die Beförderungsbedingungen der Deutschen Lufthansa ein Rauchverbot aufzunehmen. Vorbild sind die USA, wo die Regierung für Flüge bis zu sechs Stunden Dauer ein Rauchverbot verordnet hat.

Er glaube, schrieb Zuck, daß die Lufthansa das Rauchverbot gern einführen würde, »wenn sie sich auf eine Entscheidung von außen berufen könnte«. Die Antwort der Regierung steht noch aus. o

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