Schlechte Zahlen Siemens enttäuscht die Anleger
München - Siemens konnte zwischen Januar und März nicht an das gute erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2003/04 (September 2004) anknüpfen. Die am Morgen vorgelegten Zahlen lagen zwar aufgrund eines Buchgewinns durch den Verkauf von Aktien der Siemens-Tochter Infineon deutlich über den Vorjahreswerten, dennoch verpasste Siemens bei zentralen Kennzahlen die Durchschnittserwartung des Marktes.
Das Ergebnis nach Steuern lag mit 1,21 Milliarden Euro zwar mehr als doppelt so hoch wie der Vorjahreswert, Analysten hatten aber mit 1,38 Milliarden Euro gerechnet. Beim Bereichsergebnis wies Siemens 1,076 Milliarden Euro aus und lag auch hier unter den Prognosen von 1,241 Milliarden Euro. Auch beim Umsatz wurden die Erwartungen von durchschnittlich 18,34 Milliarden Euro mit 17,794 Milliarden Euro deutlich verfehlt.
Verantwortlich für das hohe Ergebnis nach Steuern war ein Sondererlös aus dem Verkauf von 150 Millionen Infineon-Aktien . Beim Auftragseingang, der zwischen September und Dezember überraschend stark zulegen konnte, verzeichnete Siemens im Quartalsvergleich einen Rückgang von 20,490 Milliarden Euro auf 19,716 Milliarden Euro. Im Vorjahresquartal betrug der Auftragseingang 19,084 Milliarden Euro. Die Analysten hatten für das zweite Quartal einen Auftragseingang von 19,288 Milliarden Euro prognostiziert. Bei der Veröffentlichung der Zahlen für das erste Quartal sorgte vor allem der starke Anstieg der Auftragseingänge für Kursgewinne der Siemens-Aktie.
Die Siemens-Aktie hat sich nach Vorlage der Zahlen am Mittwoch schwächer entwickelt. Im frühen Handel führte das Papier mit einem Abschlag von drei Prozent auf 62,77 Euro die Verliererliste an. Händler bezeichneten den Ausblick in ersten Einschätzungen als "kleine Gewinnwarnung".
Siemens-Chef Heinrich von Pierer gab sich dagegen zufrieden: "Ich bin mit unseren Ergebnissen im zweiten Quartal zufrieden", sagte von Pierer anlässlich der Bilanz-Präsentation. "Wir halten trotz der Belastungen bei Transportation Systems (TS) an unseren für das Gesamtjahr angepeilten Ergebniszielen fest, auch wenn es schwieriger geworden ist, sie zu erreichen."
Im Bereich Bahntechnik hat der Konzern Sonderbelastungen in Höhe von 364 Millionen Euro verzeichnet. Der größte Teil davon ist auf die Probleme der falsch konstruierten Combino-Straßenbahnen zurückzuführen.
Die Nachfrage nach Handys floriert dagegen. Im Berichtszeitraum sei der Absatz um mehr als die Hälfte auf 12,8 Millionen verkaufte Mobilfunkgeräte gestiegen, berichtete von Pierer. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres stieg die Zahl der verkauften Handys um rund 48 Prozent auf 28 Millionen Stück. Siemens ist der viertgrößte Handy-Hersteller der Welt.