Schmiergeld-Affäre Büro von Siemens-Chef Kleinfeld durchsucht
München - Ermittler hätten zudem die Büros weiterer Vorstände durchsucht, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Entsprechende Informationen bestätigte der Leiter der Staatsanwaltschaft München I, Christian Schmidt-Sommerfeld, der Zeitung.
Mehrere Mitarbeiter des Elektro-Konzerns stehen unter Verdacht, jahrelang Firmengeld in Millionenhöhe abgezweigt zu haben. Die Ermittler wollen herausfinden, ob und wie viel davon in etwaige Schmiergeldtöpfe für Auslandsgeschäfte floss. Nach SPIEGEL-Informationen lagen der Siemens-Führung bereits vor rund einem Jahr Hinweise auf Untreuevorwürfe gegen Manager ihrer Kommunikationssparte vor.
Ermittelt wird auch im Ausland. "Wir wissen seit dem vergangenen Jahr, dass es ein strafrechtliches Verfahren in der Schweiz gibt", zitierte die "Süddeutsche Zeitung" einen Siemens-Sprecher. Dabei sei es um den Verdacht der Geldwäsche gegangen. Das Unternehmen habe eine interne Untersuchung eingeleitet, die noch nicht abgeschlossen sei. Man habe keinen Anlass gesehen, deutsche Behörden einzuschalten, da ein Verfahren in der Schweiz laufe. Die Siemens-Vorstände gälten bei den Ermittlungen als Zeugen, sagte der Konzernsprecher dem Bericht zufolge.
Laut "Süddeutscher Zeitung" gibt es Hinweise darauf, dass seit den neunziger Jahren mehr als 100 Millionen Euro in schwarze Kassen geflossen sind.
Bei einer Großrazzia wurden am vergangenen Mittwoch rund 30 Büroräume und Privatwohnungen von Beschäftigten vor allem im Großraum München und Erlangen durchsucht. Im Zusammenhang mit den Ermittlungen wegen Untreue im Siemens-Konzern froren die Schweizer Behörden anschließend Bankguthaben in Millionenhöhe ein.
Aus Sicht der Antikorruptionsorganisation Transparency International (TI) habe der Fall Siemens womöglich eine außergewöhnliche Dimension. Angesichts der Vorwürfe, dass sogar Bereichsvorstände involviert sein sollen, sagte der stellvertretende Vorsitzende von TI Deutschland, Peter von Blomberg, der "Berliner Zeitung": "Wenn sich das bestätigen sollte, wäre das schon verblüffend." Schließlich habe der frühere Vorstandschef Heinrich von Pierer selbst eine Anti-Korruptionspolitik in dem Konzern eingeführt.
"Jetzt stellt sich die Frage, ob das überhaupt ernst genommen worden ist oder ob es nur darum ging, den schönen Schein zu wahren", sagte Blomberg. "Insofern könnte es sich hier um einen sehr gravierenden, nicht alltäglichen Fall handeln." Es sei erfreulich, dass die Vorgänge bei Siemens jetzt ans Licht gekommen seien. "Vielleicht führt das dazu, dass die Firmen in Zukunft sensibler mit dem Thema umgehen", sagte Blomberg.
hen/AP/AFP/ddp