Schmiergeld-Affäre Siemens engagiert Watergate-Aufklärer
München - Nach einer Krisensitzung des Aufsichtsrats sagte Vorstandschef Klaus Kleinfeld heute Nachmittag, Hershman und die New Yorker Anwaltskanzlei Debevoise hätten den Auftrag, Fehler im System "aufzuspüren und mit aller Konsequenz zu beseitigen".
Mit der Berufung der unabhängigen, renommierten Experten geht die zunehmend unter Druck geratene Konzernspitze in die Offensive. Siemens sei "von den Vorfällen, die derzeit von der Münchener Staatsanwaltschaft untersucht werden, äußerst betroffen", erklärte Kleinfeld. Ein ehemaliger Bereichsvorstand und vier weitere Beschuldigte sitzen in Untersuchungshaft, weil sie über Jahre hinweg 200 Millionen Euro veruntreut und in schwarze Kassen umgelenkt haben sollen. Die Justiz in mehreren Staaten ermittelt wegen Verdachts der Bestechung.
"Siemens duldet absolut kein ungesetzliches oder regelwidriges Verhalten von Mitarbeitern. Hier gibt es keinerlei Toleranz", betonte Kleinfeld. Der Konzern setze jetzt externe Experten ein, "um konkrete Verstöße festzustellen sowie mögliche Mängel im Siemens-Regelwerk, den Strukturen oder Prozessen aufzuspüren und mit aller Konsequenz zu beseitigen." Der Konzern beauftrage die weltweit tätige Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton LLP mit einer unabhängigen Untersuchung der Anti-Korruptions-Systeme von Siemens. Debevoise werde Wirtschaftsprüfer dazu holen, die "die Qualität und Leistungsfähigkeit der Siemens Compliance-Prozesse überprüfen".
Hershman - Mitbegründer von Transparency International und einst leitendes Mitglied im Watergate-Ausschuss des US-Senats - werde den Konzern als Compliance-Berater bei der Verbesserung des Kontrollsystems beraten. Außerdem werde ein "externer Experte aus der Justiz zum Leiter des Siemens Compliance Office berufen. Er verfügt über langjährige Erfahrungen in der Ermittlung von Wirtschaftskriminalität und wird seine neue Funktion im Januar 2007 übernehmen", teilte Siemens mit. Ein Aufsichtsrats-Mitglied sagte der "Süddeutschen Zeitung", ohne Hilfe von außen wäre die Aufarbeitung des Skandals zum Scheitern verurteilt.
mik/AP