Schmiergeldaffäre Siemens beruft Anti-Korruptions-Vorstand
München - Sie haben aus ihren Fehlern gelernt: Der Technologiekonzern Siemens hat ein neues Vorstandsressort für Recht und Korruptionsbekämpfung geschaffen. Dieser Vorstand soll die Einhaltung der internen Unternehmensrichtlinien überwachen. Den Posten werde Peter Solmssen ab dem 1. Oktober übernehmen, teilte Siemens heute in München mit. Der Aufsichtsrat habe Solmssen zugleich auch zum Chef-Justiziar berufen. Der 52-Jährige hatte diese Position nach Angaben von Siemens zuvor beim Konkurrenzunternehmen GE Healthcare inne.
"Wir sind sehr froh, mit Peter Solmssen eine in Rechts- und Compliance- Themen international hoch qualifizierte und anerkannte Persönlichkeit für Siemens gewonnen zu haben", sagte Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. "Das ist ein konsequenter Schritt zur beschleunigten Bewältigung der derzeitigen Probleme bei Siemens und zur Neuausrichtung des Unternehmens."
Der Beschluss ist nur eine von vielen Maßnahmen, die die neue Siemens-Führung nach der Affäre um Schmiergelder in Millionenhöhe ergriffen hat. Erst gestern war bekannt geworden, dass der Vorstand einen Maßnahmenkatalog vorgelegt habe, wie in Korruption in Zukunft geahndet werden soll. Noch immer laufen Ermittlungen gegen verschiedene leitende Angestellte, die genaue Höhe der Schmiergeldzahlungen in allen Bereichen steht noch nicht fest. Die Affäre hatte im April zum Rücktritt des langjährigen Siemens-Aufsichtsratsvorsitzenden Heinrich von Pierer und kurz danach auch für den Rücktritt von Siemens-Chef Klaus Kleinfeld geführt.
Siemens teilte weiter mit, Andreas Pohlmann werde ab sofort zum neuen Chief Compliance Officer berufen. Sämtliche Revisionsfunktionen im Konzern würden ab 1. Oktober unter Leitung von Hans Winters als Chief Audit Officer in der Hauptabteilung Corporate Finance Audit im Ressort des Siemens-Finanzvorstands Joe Kaeser zusammengelegt. Pohlmann folgt dem Stuttgarter Oberstaatsanwalt Daniel Noa, der nach nur sechs Monaten zum 1. Juli seine Tätigkeit als Chief Compliance Officer bei Siemens beendet hatte. Einen Grund für das Ausscheiden Noas aus dem Amt hatte der Konzern nicht genannt.
sam/AP/Dow Jones/Reuters