Schmiergeldzahlungen: Ex-Siemens-Mann belastet Vorstand - DER SPIEGEL
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Schmiergeldzahlungen Ex-Siemens-Mann belastet Vorstand

Schwarze Kassen, Schmiergelder, ein weltweites Korruptionsnetz: Der Siemens-Führungsspitze sollen die Machenschaften von Managern bekannt gewesen sein, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Ein inhaftierter Ex-Siemens-Mitarbeiter belaste den früheren Vorstand Ganswindt schwer.
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München - Über die mutmaßlichen Schmiergeldzahlungen von Siemens soll nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) auch die Konzernspitze informiert gewesen sein. Nach Aussage eines langjährigen Mitarbeiters, der in Untersuchungshaft sitzt, kannte der frühere Vorstand, Thomas Ganswindt, die schwarzen Kassen und die Korruptionspraktiken des Konzerns, berichtet die "SZ".

Die Münchner Justiz hat sechs Siemens-Angestellte wegen des Verdachts der Untreue verhaftet und prüft, ob schwarze Kassen mit 200 Millionen Euro für Schmiergeldzahlungen eingerichtet wurden.

Der ehemalige Mitarbeiter hat dem Bericht zufolge ein umfassendes Geständnis abgelegt und Ganswindt schwer belastet. Dieser habe über Schwarzgelder und die weltweite Korruption Bescheid gewusst. Ganswindt arbeitet mittlerweile nicht mehr bei Siemens, er wechselte vor wenigen Monaten an die Spitze eines anderen Unternehmens.

Ganswindt war 2004 in Zentralvorstand berufen worden

Der "SZ" ließ Ganswindt mitteilen, er verfolge "die laufenden Ermittlungen bei Siemens sehr aufmerksam". Sollte es erforderlich sein, werde er "selbstverständlich mit der Staatsanwaltschaft und anderen Behörden kooperieren". Zu einem laufenden Verfahren wolle er sich aber öffentlich nicht äußern. Die Staatsanwaltschaft München I ließ die Frage unbeantwortet, ob sie inzwischen auch gegen Ganswindt ermittle.

Ganswindt gehörte dem Siemens-Vorstand seit Ende 2002 an und war im Oktober 2004 in den engsten Führungszirkel, den Zentralvorstand, berufen worden. Dort war er unter anderem für die Sparte Telekommunikation zuständig. In diesem Geschäftsbereich waren nach den bisherigen Ermittlungen in den vergangenen zehn Jahren schwarze Kassen in Österreich und der Schweiz angelegt und mit mehr als 200 Millionen Euro gefüllt worden.

Der inhaftierte Mitarbeiter sagte nach "SZ"-Informationen bei seiner Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft aus, er sei Anfang 2004 bei Ganswindt gewesen und habe ihm geraten, die intern als "Provisionen" bezeichneten Schmiergeldzahlungen deutlich zu senken, da es ansonsten strafrechtliche Probleme geben könne. Ganswindt habe bei dieser Gelegenheit wissen wollen, welche Beträge wohin flössen. Der Ex-Mitarbeiter antwortete demnach, dass rund 15 Millionen Euro im Jahr nach Griechenland gingen, etwa 10 Millionen nach Nigeria und ebenfalls rund 10 Millionen Euro in Länder der ehemaligen Sowjetunion. Ganswindt habe dazu erklärt, er wolle darauf hinwirken, dass diese Provisionszahlungen gesenkt würden.

Aufsichtsratschef von Pierer kündigt Aufklärung an

Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer sieht das Unternehmen durch die Korruptionsaffäre in seinen Grundlagen gefährdet und hat deshalb eine kompromisslose Aufklärung der Vorwürfe angekündigt. Zusammen mit Vorstandschef Klaus Kleinfeld schrieb Pierer in einem Brief an die Mitarbeiter: "Kein Mitarbeiter, kein Manager kann sich darauf berufen, er habe nicht gewusst, was in unserem Hause in Sachen Verhaltensethik erwartet wird."

Weiter heißt es in dem Brief: "In einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft München ist in diesem Zusammenhang sogar von 'Bandenbildung' die Rede. Wir halten es nicht für übertrieben, wenn wir feststellen, dass es hier um die Fundamente unseres auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Unternehmens geht". Jetzt müsse ein Ruck durch das Unternehmen gehen. Um das Unternehmen wieder nach vorne zu bringen, "müssen wir kompromisslos aufräumen", kündigte die Siemens-Spitze an. Die Glaubwürdigkeit von Siemens' gesellschaftlicher Verantwortung sei bedroht.

Liechtenstein ermittelt wegen Bestechung

Die Staatsanwälte in München sowie in Österreich, Italien und der Schweiz prüfen, ob aus den schwarzen Kassen auch Schmiergeld für Aufträge in Griechenland, Nigeria und anderen Ländern gezahlt wurde.

Die Liechtensteiner Justiz teilte mit, sie ermittle seit Ende November 2004 gegen zwei ehemalige Siemens-Mitarbeiter und zwei weitere Personen wegen Verdachts der Untreue, Geldwäsche und Bestechung. "Beim Vorwurf der Bestechung, geht es um Zahlungen im Zusammenhang mit Geschäften der Siemens AG im Bereich Telekommunikation in Asien, Afrika und Europa", erklärte der Leitende Staatsanwalt Robert Wallner.

Siemens habe erklärt, nicht geschädigt zu sein, und die Einstellung des Strafverfahrens gegen die vier Verdächtigen verlangt. Nach heutigem Erkenntnisstand seien in diesem Zusammenhang 7,6 Millionen Euro über Konten in Liechtenstein transferiert worden.

tim/ddp/dpa/AP