Schmuggel-Boom: Zigaretten im Sarg - DER SPIEGEL
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Schmuggel-Boom Zigaretten im Sarg

Der Zigarettenschmuggel in der EU boomt wie nie zuvor. Vor allem Deutschland dient häufig als Transitland.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Brüssel - Die illegalen Zigarettentransporte haben meist Großbritannien als Ziel, wo die Tabaksteuer in den vergangenen Jahren mehrfach erhöht wurde.

Die Schmuggler denken sich zum Transport der Ware immer neue Verstecke aus: Sogar in Särgen werden die Glimmstängel zum Transfer durch Deutschland transportiert, vornehmlich aus Osteuropa. Die Schmuggel-Ladungen hätten einen Milliarden-Wert sagt der Sprecher des Kölner Zollkriminalamtes (ZKA), Leonhard Bierl.

Nach Schätzungen der Zollfahnder liegt der Anteil von geschmuggelten Zigaretten am Gesamtkonsum in Deutschland bei rund fünf Prozent oder etwa acht Milliarden Stück. Ausgehend von diesem Schwarzmarktanteil ergebe sich für dieses Jahr ein Steuerschaden - Zollabgaben, Tabaksteuer und Einfuhrumsatzsteuer - von bis zu 500 Millionen Euro, erläutert Bierl.

Das Zollkriminalamt rechnet angesichts der geplanten Erhöhung der Tabaksteuer in Deutschland im nächsten Jahr mit einem weiteren "beachtlichen" Anstieg der illegalen Einfuhren von Zigaretten.

Deutschland auf Platz drei der Zielland-Rangliste

Bierl verweist darauf, dass die Anhebung der Steuer für den Konsumenten eine Preiserhöhung von fast einem Euro pro Schachtel bedeutet. "Wir gehen davon aus, dass die Verbraucher den legalen Erwerb ihrer Zigaretten im deutschen Einzelhandel reduzieren und stattdessen ihren Bedarf an Tabakwaren auf dem Schwarzmarkt oder im benachbarten billigeren Ausland sowohl legal als auch illegal decken werden."

Grundsätzlich gilt: Je teurer in einem Land die Zigaretten sind, desto mehr wird geschmuggelt. In Polen kostet die Schachtel 1,50 Euro, in Tschechien 1,68 Euro, in Russland, Lettland und Litauen ein Euro. Deutschland steht in Westeuropa nach Großbritannien (sieben Euro für 20 Stück) und Frankreich (3,90 Euro) nach Angaben des ZKA an dritter Stelle der begehrtesten Zielländer für die Schmuggler.

Da die deutsch-polnische Grenze stark kontrolliert wird, haben die Zigarettenschmuggler ihre Transporte nach ZKA-Erkenntnissen zum Teil nach Südosteuropa verlegt. Die Fahrer, die das illegale Gut befördern, seien nur die "kleinen Glieder" der großen Schmuggelkonzerne. Es werde erwartet, dass sich die Organisierte Kriminalität auf diesem Deliktsfeld weiter ausbreiten werde. Die Banden würden "mit hoher Gewaltbereitschaft agieren". Zum Beispiel können nach Aussage Bierls mit einer einzigen Lkw-Ladung geschmuggelter Zigaretten Eingangsabgaben von über einer Million Euro hinterzogen werden.

Dem ZKA-Sprecher zufolge haben die Weltzollorganisation und das Europäische Betrugsbekämpfungsamt OLAF einen Datenaustausch vereinbart. Damit könne jetzt ein umfassenderes Bild über den internationalen Zigarettenschmuggel erreicht werden. Berichte über die Beschlagnahmungen von Zigaretten in der EU werden automatisch von der OLAF-Datenbank AFIS (Anti-Fraud-Information-System) an das Informationsnetz der Weltzollorganisation weitergeleitet. Alle Zollstellen haben Zugang zu diesen Informationen über die Verschleierungstaktiken der Schmuggler, neue Transportrouten sowie neu entwickelten Methoden für Verstecke "ihrer" Waren.

Friedrich Kuhn, ddp

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