Schock aus Asien Börsen in aller Welt sacken ab
Frankfurt/Main - Der Anblick ist erschreckend: Die Börsenseiten mit Angaben zu den Indizes in aller Welt sind tiefrot, die Pfeile zeigen allesamt nach unten. Weltweit leiden die Aktienmärkte noch immer unter den heftigen Kurseinbrüchen in China Anfang vergangener Woche. Der Dax rutschte heute um über zwei Prozent ab und lag mittags mit 6475 Punkten immer noch 1,94 Prozent unter dem Freitagswert, der MDax verlor sogar über drei Prozent auf mittags 9219,45 Zähler. Der TecDax gab über vier Prozent auf 761,24 Punkte nach.
Auch in London und Paris gingen die Kurven nach unten. Der FTSE war beispielsweise bis mittags auf 6023,90 Punkte gerutscht, ein Minus von 1,51 Prozent. Die Schweizer Börse begann ebenso mit weiteren starken Kursverlusten. Der Swiss Markt Index (SMI) gab im Eröffnungshandel um zwei Prozent auf 8621,48 Punkte nach. Die ÚS-Börsen starteten mit vergleichsweise harmlosen Verlusten in die Woche: Der Dow-Jones-Index verlor in den ersten Handelsstunden 0,43 Prozent auf 12.075 Punkte. Der Index der US-Technologiebörse Nasdaq gab 0,68 Prozent nach auf 2351,87 Punkte.
In Asien hatte die Woche zuvor katastrophal begonnen: Japan schloss die Börse mit einem Minus von 3,3 Prozent bei 16.642,25 Punkten. In Hongkong gab der Leitindex vier Prozent nach. In Shanghai büßte der Aktienmarkt rund drei Prozent ein. An den Börsen in Südkorea, Taiwan, Singapur und Indien ging es ebenfalls bergab.
In der vergangenen Woche waren die Aktienmärkte nach einem Minus von fast neun Prozent - dem stärksten Kurseinbruch seit einer Dekade - in Shanghai weltweit in die Knie gegangen. In New York erlebte die Wall Street ihren schwärzesten Tag seit dem Kursverfall nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001.
Experten glauben immer noch an Korrektur
Dass es diese Woche geradewegs so weiter geht, kommt nicht überraschend: Die Korrektur sei erwartet worden, betonte Andrew Sullivan von Daiwa Securities Group SMBC . "Das ist die Dosis Realität", sagte er. "Auch wenn der Index in den vergangenen Tagen stark gefallen ist, sind wir immer noch auf dem Niveau von November und damals waren wir beeindruckt, wie hoch das war", erklärte er über den Dax.
"Heute wird es wehtun", hatte Shinji Igarashi von Chuo Securities die Entwicklung in Asien vorhergesagt. "Es gibt wirklich überhaupt keine Gründe zu kaufen." Für die Verluste in Asien wurden erneut auch Carry Trades verantwortlich gemacht. Dabei leihen sich Anleger Geld in niedrig verzinsten Währungen wie dem Yen und legen die Mittel in Hochzinswährungen wie Euro oder Dollar an. "Hedgefonds-Manager und Spekulanten, die Aktien mit Geld aus Carry Trades gekauft haben, müssen ihre Aktien jetzt verkaufen, um ihre Währungspositionen zu schließen", sagte Kenichi Hirano von Tachibana Securities.
Die Umfrage zum Kursrutsch
Angenehmer dürften diese Einsichten den Wochenanfang für die Anleger nicht machen. Sie brauchen fast ohne Ausnahme starke Nerven. In Frankfurt etwa zeigten heute sämtliche Kurscharts nach unten. Unter den 30 Dax-Werten führte der MAN -Konzern mit einem Minus von 3,72 Prozent die Verliererliste an. Linde gaben 3,38 Prozent nach, die Deutsche Lufthansa 3,31 Prozent und Siemens 3,31 Prozent.
Dementsprechend mies ist die Stimmung unter den Anlegern, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. Institutionelle und private Anleger in der Euro-Zone blicken im März erstmals seit Sommer weniger zuversichtlich auf die Konjunktur als im Vormonat. Der Sentix-Index fiel auf 27,5 von 31,1 Punkten im Februar, wie die Investmentberatung Sentix mitteilte. "Der aktuelle Rücksetzer im Monat März kommt überraschend", teilte Sentix mit. Auch der Ifo-Geschäftsklimaindex hatte im Februar nachgegeben. Dabei waren die Finanzmarktprofis pessimistischer als die privaten Investoren. Auch die Lage schätzten die Befragten schlechter als im Vormonat ein. Der Teilindex gab auf 48,25 von 51,0 Punkten nach.
Zu den Zahlen lässt sich Sentix zufolge jedoch keine generelle Trendwende für die Konjunktur ableiten. Zu dem Rückgang hätten auch die jüngsten Kursturbulenzen an den globalen Aktienmärkten beigetragen.
ase/AFP/dpa/Reuters