Schuhflut aus China: EU-Kommission will Strafzölle durchsetzen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Schuhflut aus China EU-Kommission will Strafzölle durchsetzen

Wie sich wehren gegen die Schwemme an chinesischen und vietnamesischen Schuhen auf dem europäischen Markt - diese Frage ist heiß umstritten in der EU. Die Kommission will unbedingt Strafzölle durchsetzen, eigentlich um europäische Hersteller zu schützen. Die halten allerdings oft wenig von der Idee.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Brüssel - Die EU-Kommission versucht es einfach noch einmal: Nachdem der Vorschlag für Strafzölle bereits im August bei den Mitgliedstaaten durchfiel, legte die Kommission dasselbe Papier heute schlicht erneut dem Rat zur Abstimmung vor. Demnach sollen etwa Lederschuhe aus China mit Einfuhrzöllen in Höhe von 16,5 Prozent belegt werden; für Schuhe aus Vietnam schlägt die Kommission einen Satz von zehn Prozent vor. Sie begründet dies damit, dass der zunehmende Import von Schuhen aus Asien den europäischen Herstellern schade.

Derzeit sind Lederschuhe aus China und Vietnam zwar mit Strafzöllen belegt, diese im April verhängten Einfuhrbeschränkungen laufen aber am 6. Oktober aus. Die Wiedervorlage des bereits abgelehnten Vorschlags an die Mitgliedstaaten begründete Kommissionssprecher Peter Power damit, dass im August nur auf Berater-Ebene abgestimmt worden sei. Nun müssten die Minister entscheiden.

Europäische Unternehmen lassen in China fertigen

Die Lage ist tatsächlich ernst. Allein China konnte seine Lederschuh-Lieferungen in die EU von 2001 bis 2005 verzehnfachen. Insgesamt gingen in der EU im vergangenen Jahr 2,5 Milliarden Paar Schuhe über die Ladentheke, die Hälfte davon kam aus China. Zu Lederschuhen zählt jedes dritte in der EU verkaufte Paar.

Trotzdem sind viele EU-Länder, darunter Deutschland, Großbritannien und die skandinavischen Länder, gegen Strafzölle. Denn große Schuhhersteller lassen ihre Schuhe für den europäischen Markt vielfach in China fertigen und wollen vor allem teure Modelle von den Strafzöllen ausnehmen. Auch der Verband der Europäischen Sportartikelindustrie (FESI) bedauerte die Haltung der EU. "Wir hoffen, dass die Regierungen diesem Vorschlag im September nicht zustimmen werden", sagte FESI-Präsident Horst Widmann.

Warnungen auch der FESI vor Preiserhöhungen in den europäischen Geschäften wegen der Zölle wies die Kommission jedoch zurück. Im Durchschnitt koste ein aus China oder Vietnam geliefertes Paar Schuhe 8,50 Euro. In den europäischen Geschäften werde es für 35 Euro verkauft. Einige Markenschuhe kosteten beim Import etwas mehr und würden für rund 120 Euro verkauft. Der Zoll beziehe sich nur auf den Einfuhrpreis und würde für ein Paar Schuhe aus China deshalb rund 1,40 Euro betragen.

Ob dieser Zoll auf den Verkaufspreis von 35 Euro aufgeschlagen wird, werde von der Preispolitik der Importeure und Einzelhändler abhängen, erklärte die Kommission. Während die Einfuhrpreise für Lederschuhe aus China und Vietnam von 2001 bis 2005 um 27 Prozent gefallen seien, seien die Endpreise im Geschäft stabil geblieben oder hätten leicht angezogen.

Unterstützung für die Pläne kam aus Italien. Die Regierung in Rom hatte zunächst noch höhere Zölle gefordert, um ihre Schuhindustrie zu schützen. Ein italienischer Diplomat sagte inzwischen aber, mehr als den Vorschlag der Kommission werde sein Land nicht erreichen können. Die Regierungen Vietnams und Chinas haben die Vorwürfe der EU-Kommission dagegen zurückgewiesen, sie ermöglichten Schuhherstellern ihre Produkte zu unfair niedrigen Preisen auf den Markt zu bringen.

ase/AP/reuters