Schuldenfalle Bei Schaeffler klafft ein Milliardenloch
Frankfurt am Main - Die Aufsichtsratssitzung von Continental ist am Mittwoch zu einer Krisensitzung geworden. Nach Angaben des "Handelsblatt" wurde auf ihr vor allem der desolate Zustand von Großaktionär Schaeffler diskutiert. Das fränkische Familienunternehmen benötige kurzfristig eine Eigenkapitalzufuhr von vier bis sieben Milliarden Euro, hieß es im Kontrollgremium.
Bei der Conti-Sitzung habe die Investmentbank Perella Weinberg eine Analyse vorgelegt, berichtet das "Handelsblatt". In dieser sei die Summe der nötigen Kapitalspritze aufgeführt gewesen. Die Kapitalnot Schaefflers habe zwei Hauptursachen: die einbrechende Autokonjunktur und die wackelnde Finanzierung der Conti-Übernahme, hieß es in dem Bericht.
Schaeffler dagegen sieht die planmäßige Übernahme des Autozulieferers nicht in Gefahr. "Wir werden die Übernahme Anfang Januar vollziehen", sagte ein Firmensprecher am Freitag. Die Finanzierung der Transaktion stehe. Bis zum 19. Dezember werde die Entscheidung der EU-Kommission zu der Übernahme erwartet. "Wir sind zuversichtlich, dass ein positiver Bescheid erfolgt."
Zu einem möglichen Milliardenloch wollte sich Schaeffler nicht äußern. "Es sind herausfordernde Zeiten, aber wir werden sie bewältigen und unsere Pläne umsetzen", sagte der Sprecher.
Perella Weinberg schätzt, dass die Nettoverschuldung Schaefflers mit derzeit elf Milliarden Euro sechsmal so hoch liegt wie das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Üblicherweise gilt bereits ein 3:1-Verhältnis als kritisch. Es bestehe deshalb starker Druck der Banken auf Schaeffler, die Schuldenlast zu senken.
Der Conti-Aufsichtsrat zeigte sich am Donnerstag ernüchtert. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Werner Bischoff sagte dem "Handelsblatt": "Wir waren uns alle bewusst, welches Risiko in dieser Übernahme steckt. Aber das hier ist nun schon eine ganz besondere Situation. Wir müssen alle zusammen sehen, wie wir die Sache lösen."
Schaeffler hatte sich im Spätsommer eine Mehrheit an Conti gesichert und den Aktionären ein Angebot von 75 Euro pro Aktie unterbreitet. Dem fränkischen Konzern wurden rund 82 Prozent der Conti-Aktien angedient. Mit den eigenen acht Prozent ist Schaeffler damit fast Alleinaktionär.
Laut Schaeffler gebe es derzeit Gespräche mit den zuständigen Banken über die Weiterplazierung der zu viel gehaltenen Conti-Anteile. Nach Abschluss der Übernahme darf Schaeffler maximal 49,99 Prozent an dem Hannoveraner Unternehmen halten - so ist es in den Übernahmevereinbarungen festgelegt.
An einer höheren Beteiligung dürfte Schaeffler auch kaum Interesse haben. Dann nämlich müsste das fränkische Unternehmen eventuell für Schulden aufkommen, die Continental bei der Übernahme der Siemens-Tochter VDO angehäuft hat. Conti hat dafür Kredite in Höhe von rund elf Milliarden Euro aufgenommen. Informierten Kreisen zufolge befindet sich der Reifenhersteller für diese noch nicht in den Nachverhandlungen. "Das wird noch nicht gemacht, der Aufsichtsrat hat jedoch darüber diskutiert, dass das nötig werden könnte", sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Die knapp elf Milliarden Euro schweren Kredite von Conti sind an Bedingungen geknüpft.
Der Kurs der Conti-Aktie ist in den letzten Wochen massiv eingebrochen, aktuell liegt er nur noch bei gut 37 Euro. Da einige Anleger am Erfolg der Übernahme zweifeln, werden die bereits angebotenen Aktien derzeit auch weit unterhalb des Angebotspreises gehandelt. Zuletzt kosteten diese rund 60 Euro. Schaeffler nutzte dies in den vergangenen Wochen und Monaten. Das Unternehmen kaufte zahlreiche dieser Papiere und erhöhte den Anteil an Continental somit bereits auf 22 Prozent. Händler werteten diese Zukäufe als Beleg, dass die Übernahme über die Bühne gehen wird.