Schuldenfrei Karstadt saniert sich mit Warenhaus-Verkauf
Düsseldorf - Das mit sofortiger Wirkung verkaufte Immobilien-Paket umfasst unter anderem die 85 bislang noch im Unternehmensbesitz befindlichen Warenhäuser, 12 Sporthäuser und 29 Parkhäuser sowie 15 Bürogebäude. Käufer ist eine Gesellschaft, an der der zur US-Investmentbank Goldman Sachs gehörende Immobilienfonds Whitehall 51 Prozent hält und KarstadtQuelle 49 Prozent. KarstadtQuelle mietet die Warenhäuser langfristig zurück.
Den Wert der Transaktion bezifferte der Konzern in einer heute veröffentlichten Ad-hoc-Mitteilung auf rund 4,5 Milliarden Euro. Allerdings fließen zunächst nur 3,7 Milliarden Euro an das Unternehmen, weitere 800 Millionen Euro erwartet KarstadtQuelle als Beteiligung am Wertsteigerungspotential der Immobilien.
Die Verantwortlichen um Vorstandschef Thomas Middelhoff betonten, der Konzern habe sich deshalb für diese Option entschieden. Unter anderem will Middelhoff die zurückgemieteten Warenhäuser nach und nach modernisieren und einige von ihnen zu noblen Häusern nach dem Beispiel des Berliner KaDeWe umbauen.
Durch den Verkauf des Immobilienportfolios an das Gemeinschaftsunternehmen sei die komplette Entschuldung des Konzerns möglich, erklärte KarstadtQuelle. Zum Jahresende 2005 hatte das Unternehmen die Senkung der Nettofinanzverbindlichkeiten auf 2,6 Milliarden Euro angepeilt nach 3,9 Milliarden Euro per Ende 2004. Die Entschuldung eröffne dem Konzern neue Entwicklungs- und Wachstumsspielräume, hieß es.
Operatives Ergebnis gesteigert
Aus dem Verkauf von den nun noch verbliebenen Grundstücken und Bürogebäuden will der Konzern außerdem in den kommenden Monaten noch einmal 600 Millionen Euro erlösen. Damit erhöhe die gewählte Verwertungsstruktur den Gesamtwert des KarstadtQuelle-Immobilienportfolios auf rund 5,1 Milliarden Euro.
Zudem veröffentlichte das im MDax notierte Unternehmen heute Zahlen für das vergangene Jahr. Der Handelskonzern hat bei sinkenden Umsätzen sein operatives Ergebnis gesteigert und dabei die Erwartungen der Analysten übertroffen. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei 2005 um 5,1 Prozent auf 544 Millionen Euro gestiegen, teilte der Konzern mit. Marktbeobachter hatten im Schnitt nur mit 510 Millionen Euro gerechnet.
2006 werde das bereinigte Ebitda um 20 Prozent steigen, der um Verkäufe bereinigte Umsatz werde leicht zulegen, hieß es weiter. Durch den Verkauf des Immobilienportfolios werde sich das Konzernergebnis vor Steuern (Ebt) dauerhaft um jährlich mehr als 100 Millionen Euro verbessern.
KarstadtQuelle-Chef Middelhoff wies Gerüchte zurück, wonach der Handelskonzern von der Börse verschwinden soll. "Das KarstadtQuelle-Management kann mit allen Konstellationen leben", sagte Middelhoff auf der Bilanzpressekonferenz in Düsseldorf. "Wir sind nicht abhängig von der Börse, können aber genauso gut auch mit der Börsennotierung agieren."
Je erfolgreicher der Konzern jedoch operiere, desto unwahrscheinlicher werde ein Delisting. Seit Monaten wird am Finanzmarkt auf eine Komplettübernahme des Konzerns von Mehrheitsaktionärin Madeleine Schickedanz spekuliert, in deren Folge KarstadtQuelle von der Börse genommen werden könnte.
suc/AP/Reuters/dpa-AFX