Schwacher Euro: Finanzminister sind machtlos - DER SPIEGEL
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Schwacher Euro Finanzminister sind machtlos

Die Investoren an den Finanzmärkten warten auf ein Zeichen der europäischen Politiker. Doch so einfach ist das nicht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Brüssel - Seit seiner Einführung vor 20 Monaten hat der Euro 25 Prozent gegenüber dem US-Dollar verloren. Angesichts der Rekordschwäche der europäischen Gemeinschaftswährung warten viele auf ein Machtwort der Politiker. Doch die Finanzminister der Eurozone, die am Freitag im französischen Versailles Maßnahmen beraten wollen, wirken eher rat- und machtlos.

Zwar kann sich der französische Ratsvorsitzende Laurent Fabius hinstellen und Interventionen der Europäischen Zentralbank (EZB) verlangen. Doch dieses umstrittene Mittel wird nur von einigen seiner Kollegen unterstützt. Zudem können die Minister der unabhängigen EZB nur Ratschläge geben und keine Vorschriften machen.

Auch wenn EZB und die elf nationalen Notenbanken zusammen über riesige Devisenreserven im Wert von mehreren hundert Milliarden Euro verfügen, so haben Käufe und Verkäufe auf dem Devisenmarkt nur selten nachhaltig den Kurs einer Währung beeinflussen können. Erhöhte Erfolgsaussichten hätte ein gemeinsames Eingreifen von EZB und US-Notenbank. Aber dies ist angesichts der bevorstehenden amerikanischen Präsidentschaftswahlen wenig wahrscheinlich.

Nach Ansicht der meisten Analysten bleibt der Hauptgrund für den Kursverfall des Euro die anhaltende Stärke der US-Wirtschaft. Zusätzliche Sorge macht die Inflation: Längst ist der von der EZB gesetzte Grenzwert von zwei Prozent durchbrochen. In der Eurozone stiegen die Preise bis Juli in Jahresfrist um 2,4 Prozent, Tendenz steigend. Da die hohen Ölpreise Preistreiber Nummer eins sind, werden sich die Finanzminister auch mit diesem Thema befassen müssen.

Zudem variieren die Inflationsraten in der Eurozone gewaltig: Sie liegen zwischen zwei Prozent in Deutschland und fast sechs Prozent in Irland. Dagegen hat die EZB nur eine allgemeine Leitzinserhöhung zu setzen. EZB-Chef Wim Duisenberg forderte deshalb jetzt die Mitgliedstaaten noch einmal energisch auf, zusätzliche nationale Mittel im Kampf gegen die Inflation einzusetzen.

Minister und Zentralbank stehen unter Druck, eine Trendwende zu erreichen. Am 28. September stimmen die Dänen darüber ab, ob sie den Euro einführen wollen. Eine weitere freie Talfahrt der Gemeinschaftswährung ist nur Wasser auf die Mühlen der Eurogegner.

Jobst Knigge, dpa