Schwacher Euro IWF rüffelt EZB
Prag - Bisher habe der Kursverfall nur dem Image des Euro geschadet, zunehmend entstehe dadurch aber ein echtes Problem, sagte IWF-Chefvolkswirt Michael Mussa am Dienstag vor Beginn des Weltfinanzgipfels in Prag. Der schwache Euro verteuere Einfuhren in den EU-Raum und wirke damit tendenziell inflationsträchtig. Der Euro war am Dienstagmorgen erstmals unter die 85-Cent-Marke gefallen.
Angesichts der guten Wirtschaftsdaten der Eurozone kann Mussa sich die extreme Abwertung nicht erklären. Alle Faktoren wie Zinsunterschied, Wachstumsprognosen und Konjunkturzyklus zusammengenommen könnten vielleicht die Abwertung des Euros auf einen Wert von etwa einem Dollar erklären, sagte Mussa: "Aber warum er von einem Dollar auf 85 Cent gesunken ist, ist sehr viel schwieriger zu erklären."
Schuld daran sei natürlich vor allem die Übertreibung der Devisenmärkte, sagte Mussa. Doch der Weltkonjunkturbericht des IWF, den Mussa vorstellte, kritisiert in diesem Zusammenhang auch die Europäische Zentralbank (EZB): Sie lasse in ihren geldpolitischen Beschlüssen die nötige Klarheit vermissen. Die Zentralbanken müssten bei Zinserhöhungen vorsichtig vorgehen, damit das Wachstum nicht durch eine übermäßige Verteuerung der Geldbeschaffung für Investitionen gedämpft werde, mahnt der IWF. Die EZB hatte seit Beginn des Jahres bereits fünf Leitzinserhöhungen beschlossen.