Schwarzarbeit Fahndungserfolge nehmen deutlich zu
Hamburg - Durch Schwarzarbeit verursachte Schäden in Höhe von 332 Millionen Euro haben die Fahnder der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) im ersten Halbjahr aufgedeckt. Rechnet man die Schadenssumme der ersten sechs Monate auf das gesamte Jahr 2005 hoch und vergleicht sie mit dem Vorjahr, so haben die Zollfahnder 40 Prozent mehr nicht versteuerte Arbeit entdeckt als 2004.
Die Kölner Behörde kontrollierte in den ersten sechs Monaten dieses Jahres in Betrieben fast 170.000 Arbeiter. Dabei leitete sie über 30.000 Bußgeldverfahren ein und kassierte dafür rund 21,5 Millionen Euro. Als Folge der FKS-Ermittlungen wurden bisher rund 42.000 Strafverfahren durch die Staatsanwaltschaft eingeleitet und Geldstrafen in einer Höhe von 10,6 Millionen Euro verhängt. Im laufenden Jahr sprachen die Gerichte insgesamt 499 Jahren Freiheitsstrafen wegen illegaler Beschäftigung aus.
Laut Schätzungen des Wirtschaftswissenschaftlers der Universität Linz, Friedrich Schneider, beläuft sich das Gesamtvolumen der Schattenwirtschaft in diesem Jahr auf etwa 346 Milliarden Euro. Der Begriff Schattenwirtschaft ist etwas weiter gefasst als Schwarzarbeit und umfasst unter anderem Größen wie legale Nachbarschaftshilfe.
Bis zum Jahr 2003, so Schneiders Schätzungen, sei die Schwarzarbeit in Deutschland stetig angestiegen - teilweise mit zweistelligen Wachstumszahlen. Dann kam die Trendwende: Ab dem Jahr 2004 konnte der Experte einen leichten Rückgang der Schattenwirtschaft um 14 Milliarden Euro ausmachen. Auch für das laufende Jahr rechnet Schneider, der bei seinen Untersuchungen vom Tübinger Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung unterstützt wird, dass das Volumen weiter sinkt - um etwa zehn Milliarden Euro.
FKS-Sprecher Heinz-Michael Horst sagte gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Wir schreiben uns diese erfreuliche Umkehr mit auf die Fahne. Aber es ist auf keinen Fall unser alleiniger Verdienst." Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit wurde zu Beginn des Jahres 2004 eingerichtet. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) bündelte damit die bis dahin geteilten Zuständigkeiten der Arbeitsagentur und des Zolls in einer Behörde. Laut Horst will die FKS bis zum Jahresende die vorgesehene Personalstärke von 7000 Einsatzkräften erreichen.
Sebastian Siegloch