Schwarze Löcher Geldwäsche für Waffengeschäfte?
Mannheim/Ettlingen - Neben den fingierten Geschäften von FlowTex (siehe DER SPIEGEL 7/2000 Seite 102) solle die Firma jahrelang auch zur Geldwäsche aus internationalen Waffengeschäften genutzt worden sein, berichtet das "Handelsblatt". Auch das Landeskriminalamt Baden-Württemberg untersuche den Fall. Ein Sprecher des Kriminalamts wollte zu dem Bericht keine Stellungnahme abgeben. Auch Oberstaatsanwalt Hubert Jobski von der Mannheimer Staatsanwaltschaft lehnte einen Kommentar ab.
In Bankkreisen werde geschätzt, dass die größten Engagements der ein oder anderen Großbank rund 350 Millionen Mark umfassen könnten, meldet die "Börsen-Zeitung". Von diesen Summen dürften aber nach Abzug aller Sicherheiten kaum mehr als ein Drittel der Kreditsumme echt "im Feuer" stehen. Eine Sprecherin der FlowTex-Gruppe sagte, sie habe keinen Überblick über die Verbindlichkeiten.
Die beiden Chefs der Ettlinger FlowTex-Gruppe, Manfred Schmider und Klaus Kleiser, sitzen seit rund anderthalb Wochen in Untersuchungshaft. FlowTex besitzt das Patent für Bohrsysteme für das Verlegen von Leitungen, ohne dass dafür die Erde aufgegraben werden muss. Die Staatsanwaltschaft hat die beiden Manager im Verdacht, mehr als drei Viertel der Geschäfte mit solchen Bohrsystemen fingiert und Vertragsabschlüsse vorgetäuscht zu haben.
Die Staatsanwaltschaft hatte zuletzt erklärt, im Zusammenhang mit der Festnahme der beiden FlowTex-Chefs umfangreiche Vermögenswerte beschlagnahmt zu haben. In Medienberichten war von einem Wertvolumen von mehr als 800 Millionen Mark die Rede.
Das "Handelsblatt" berichtete zudem, inzwischen solle auch gegen den Bruder von FlowTex-Chef Schmider Haftbefehl erlassen worden sein. Oberstaatsanwalt Jobski lehnte auch hierzu eine Stellungnahme ab.
Das Schicksal der Firma FlowTex werde sich nach Unternehmensdarstellung in der kommenden Woche entscheiden. Der vorläufige Insolvenzverwalter werde entscheiden, ob die Gruppe in die Insolvenz gehe oder ob eine Auffanggesellschaft gegründet werde.