Schwarzenegger und Merkel auf Cebit "I'll be back!"
Hannover - Anita Kilanofski ist aus ihrer kleinen Gemeinde in Thüringen extra nach Hannover gereist. Die 52-Jährige will die Chance nicht verpassen, Arnold Schwarzenegger live zu sehen. Ihr Ziel: ein Autogramm des früheren Hollywood-Schauspielers, der heute Gouverneur des US-Bundesstaats Kalifornien ist.
Kilanofski ist eine von rund 200 Schaulustigen, die sich am Montag am roten Teppich vor dem Rathaus in Hannover eingefunden haben. Mit USA-Fähnchen jubeln sie dem aus Österreich stammenden Wahlamerikaner zu. Mit Pfiffen, Applaus und begeisterten "Arnie"-Rufen begrüßen die Fans den 61 Jahre alten Schwarzenegger. Der Besuch im Rathaus ist sein erster offizieller Termin an diesem Tag, bevor er die weltgrößte Computermesse Cebit gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnen wird.
Braungebrannt und sichtlich gut gelaunt gibt Schwarzenegger Autogramme. "Ich freue mich sehr, zum ersten Mal seitdem ich Gouverneur Kaliforniens bin, wieder hier in Deutschland zu sein", sagt er erst in englischer Sprache und dann auf Deutsch. "Deutschland liegt mir sehr am Herzen, auch weil ich damals meine Bodybuilder-Karriere in München begonnen habe." Zum Tross des einstigen Mr. Universum gehört auch Bodybuilder und Schauspieler Ralf Möller.
Doch Nostalgie ist nicht alles. Schwarzenegger, strahlend und elegant im dunkelblauen Anzug, wird begleitet von Vertretern aus rund 50 kalifornischen Firmen. Die Delegation reist zur Cebit, um sich auch in Zeiten der Wirtschaftskrise mit anderen Unternehmen auszutauschen. "Ich hoffe, es wird für uns und auch für Deutschland eine produktive Woche", sagt Schwarzenegger. Bevor er sich auf den Weg zum nächsten Termin macht, verspricht er: "I'll be back."
Wenige Minuten später ist die Kolonne abgefahren, die kalifornischen Fahnen sind eingerollt. Nur einige Fans tummeln sich noch am Rathaus. "Ich habe es geschafft und es war ganz einfach", freut sich Kilanofski. "Ich habe ein Autogramm bekommen."
"Hasta la vista, Baby"
Für Schwarzenegger geht es nach einem kurzen Gedankenaustausch mit Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) endlich weiter zur Cebit. Kalifornien ist in diesem Jahr das Partnerland der Messe. Der US-Bundesstaat ist für sich allein genommen die achtgrößte Wirtschaftsmacht der Welt.
Bei der offiziellen Messe-Eröffnung am Abend macht Schwarzenegger der Branche Mut. Jede Krise biete auch Chancen, "Sieger schauen nach vorne", sagt der Gouverneur. Technologie spiele eine herausragende Rolle bei der Modernisierung des Gesundheitswesens, beim Kampf gegen den Klimawandel oder bei der Entwicklung sauberer Autos.
Am Ende seiner auf Englisch gehaltenen Rede erklärt Schwarzenegger auf Deutsch: "Ich freue mich riesig, mal wieder bei Euch in Deutschland zu sein." Und fügt - mit Blick auf Merkel - seine berühmten Sätze aus dem Film "Terminator" hinzu: "Hasta la vista, Baby."
Merkel sagte in ihrer Rede, die Bundesregierung werde freie Radio- und Fernsehfunkfrequenzen schnell verteilen, um so die Abdeckung mit superschnellen Internetzugängen in Deutschland voranzubringen. Sie forderte eine gemeinsame Kraftanstrengung von Politik und Wirtschaft dafür und sagte außerdem, Deutschland müsse sich in der Wirtschaftskrise auf seine Stärken besinnen. Am Dienstag wird Schwarzenegger erneut mit Merkel zusammentreffen, um sie beim traditionellen Kanzlerrundgang über die Messe zu begleiten.
Branche verbreitet Zuversicht
In diesem Jahr steht die Cebit ganz im Zeichen der Weltwirtschaftskrise. Laut Branchenverband Bitkom erwarten fast 60 Prozent der Unternehmen Auswirkungen auf ihr Geschäft, fast zwei Drittel berichten von Signalen, dass Kunden IT-Projekte reduzieren oder stornieren wollen. Das geht aus Umfragen hervor, die der Branchenverband am Montag vorstellte.
Immerhin: Derzeit behaupte sich die Branche noch, sagt Bitkom- Präsident August-Wilhelm Scheer. Der Gesamtmarkt werde in diesem Jahr etwa auf dem Vorjahresniveau von 145 Milliarden Euro bleiben. "Wir sehen derzeit keinen Anlass, diese Prognose zu korrigieren."
Allerdings ist die Zahl der Aussteller auf der diesjährigen Cebit dramatisch gesunken. Im Vergleich zum vergangenen Jahr fehlt jeder Vierte, insgesamt sind nur noch 4300 Unternehmen dabei.