Schweiz SAir fliegt in die Pleite
Zürich - "Der Niedergang der SAirGroup entwickelt sich zum größten Skandal der Schweizer Wirtschaftsgeschichte", schreibt die "Sonntagszeitung". Ohne einen Kredit in Höhe von einer Milliarde Franken stehe das Unternehmen vor der Pleite, heißt es in dem Bericht.
Die SAir, Muttergesellschaft von Swissair und Crossair machte dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr 2,5 Milliarden Franken (3,2 Milliarden Mark) Verlust, dies vor allem wegen der ausländischen Töchter. Die drei Gesellschaften in Frankreich, AOM, Air Littoral, und Air Liberté, kosteten die SAir 900 Millionen Franken, der deutsche Ferienflieger LTU 360 Millionen Franken und die belgische Sabena 320 Millionen Franken. Verwaltungsratspräsident Eric Honegger kündigte den Rücktritt des gesamten Führungsgremiums und die schonungslose Offenlegung aller Finanzdaten für den 2. April an.
"Dass das Unternehmen vor der Pleite steht, ist eine unzulässige Spekulation", sagte SAir-Sprecherin Beatrice Tschanz. "Die Zahlen, die die Presse bringt, stimmen so nicht." Es sei klar, dass das vergangene Jahr mit einem Verlust abgeschlossen werde. Die Zahlen würden aber erst im April veröffentlicht.
Das Aktienkapital der SAir ist offenbar bereits zu mehr als 50 Prozent verbraucht. Ein Konkursantrag konnte bisher nur deshalb vermieden werden, weil die SAir 800 Millionen Franken Pensionskassengelder aktiviert habe, so der Bericht. Das Unternehmen brauche von den Banken dringend einen Kredit in Höhe von einer Milliarde Franken, um einen akuten Liquiditätsengpass abzuwenden.
Der im Januar entlassene Konzernchef Philippe Bruggisser hatte eine aggressiven Expansionsstrategie verfolgt. Mit Beteiligungen in aller Welt wollte er die SAir gegenüber den großen Airlines und Verbünden unabhängig halten. Die Investoren folgten ihm nicht: seit drei Jahren sind die Aktien im Sinkflug, von mehr als 400 Franken im Frühjahr 1998 auf inzwischen rund 200 Franken. Seit der Entlassung Brugssers prüft die SAir den Ausstieg aus den Beteiligungen.
Nach weiteren Presseinformationen bereitet die Schweizer Börsenaufsicht eine Untersuchung vor. Ihr Präsident Giorgio Behr sagte, er könne "eine Verletzung der Rechnungslegungs- und Offenlegungspflicht nicht mehr ohne weiteres ausschließen." Ein Anwalt in Zürich kündigte die Gründung einer Schutzgemeinschaft für die Aktionäre der SAir an. Die Aktionäre prüften eine Klage, weil sie über die finanziellen Risiken der Auslandsbeteiligungen nicht genügend informiert gewesen seien.