Schweizer Billigmacher - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 40 / 82

Schweizer Billigmacher

• aus DER SPIEGEL 4/1973
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Schweizer Discount-Kette Denner AG übt sich als Billigmacher. Firmenchef Schweri hat in seinen 92 Läden ein zusätzliches Sortiment landwirtschaftlicher Produkte -- Eier, Milch, Speck, Kartoffeln, Äpfel, Milch-Dessert-Pudding, Käsefondue und Dauerwurst -- eingeführt, das er zu Lasten der Gesamtgewinnmarge seines Unternehmens um mindestens 30 Prozent verbilligt. Die Laden-Kette begnügt sich in ihren Supermärkten mit 1,5 Prozent Gewinn auf den Umsatz. Da der Umsatz 1972 um 30 Prozent gestiegen ist und der Reingewinn den festgelegten Satz überstieg, waren Gelder für die Anti-Inflationskampagne frei. Bereits vor einem Jahr machte Denner Schlagzeilen, als sie zwölf Millionen Tabletten Vitamin C (225 Milligramm) verschenkte: Jeder Kunde erhielt bei einem Kauf von mehr als 19,50 Franken zehn Tabletten gratis. Ihre neue Aktion kündigte die Denner AG als »aktive Inflationsbekämpfung« an -- im Gegensatz zur offiziellen Schweizer Politik, die nicht genug gegen die Teuerung unternehme (Preisauftrieb 1972: 6,7 Prozent). Die Bundesregierung in Bern hatte am selben Tage, an dem das Parlament ein Paket von fünf Inflationsbremsen beschloß, die landwirtschaftlichen Preise für Milch und Fleisch massiv erhöht.

Zur Ausgabe
Artikel 40 / 82