Schwerbehinderte in der Wirtschaft
verdanken ihre Jobs meist staatlicher Förderung und besonderem Engagement karitativer Gruppen. Die Hamburger Arbeitsassistenz warb kürzlich mit den Konterfeis des Behinderten Thorsten Schnell sowie des Hamburger Ex-Bürgermeisters Klaus von Dohnanyi auf Plakaten um mehr Arbeitsplätze für Behinderte. 70 Behinderten verhalf der Fachdienst bereits zu einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz. 400 weitere stehen noch auf der Warteliste. Im normalen Arbeitsleben ist für sie kein Platz.
150 000 behinderte Beschäftigte arbeiten derzeit in einer der 1150 Werkstätten für Behinderte und erwirtschaften bundesweit einen Jahresumsatz von 1,5 Milliarden Mark. »Viele, deren Arbeitsplatz dort im Schnitt monatlich zwischen 2000 und 2500 Mark kostet«, sagt Dirk Vester, Mitarbeiter der Arbeitsassistenz, »könnten sich ihren Lebensunterhalt sehr gut selber verdienen und in einem Unternehmen arbeiten.«
Obwohl die Unternehmen sechs Prozent ihrer Arbeitsplätze in Deutschland mit Schwerbehinderten besetzen müssen, erfüllt nur etwa jeder fünfte Betrieb diese Pflicht. Die Masse entzieht sich der sozialen Verantwortung mit monatlich 200 Mark Fehlabgabe für jeden nicht beschäftigten Behinderten. Immer wieder appellierte Bundesarbeitsminister Norbert Blüm vergeblich an die Wirtschaft - nicht einmal die öffentlichen Arbeitgeber hören auf den Minister: Die Bundesländer beschäftigen durchschnittlich nur 4,5 Prozent Behinderte. »Der Staat ist in diesem Punkt kein Leuchtturm«, gibt Blüm zu.
Die Firma Helmut Elges GmbH aus Steinhagen geht einen anderen Weg, der Hersteller von Wälz- und Gelenklagern läßt seit einigen Monaten Gelenkköpfe in der Bielefelder Werkstatt der Lebenshilfe montieren.
Derzeit sind sechs Elges-Mitarbeiter noch damit beschäftigt, 50 geistig Behinderte mit den Arbeitsschritten vertraut zu machen. »Es läuft bereits prächtig«, sagt Georg Rother, Fertigungsleiter des Unternehmens, »und wird sich eines Tages rechnen.« Bei gleicher Qualität wird dann in der Behinderten-Werkstatt 20 bis 30 Prozent kostengünstiger produziert als im Unternehmen selbst.