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CHINA-HANDEL Sehen, was paßt

Mit deutscher Hilfe wollen Chinas Planer ihr Verkehrssystem modernisieren -- ein Helikopter aus Bayern soll dabei voranfliegen.
• aus DER SPIEGEL 40/1975
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Sechs Tage lang reiste Franz Josef Strauß durch Maos China. Dann wußte er Bescheid: »Nicht Fahrräder und Waschmaschinen« fehlen den Chinesen, sondern »Industrieanlagen« Spezialfahrzeuge und Nahverkehrsmittel«.

Diese neuesten Sprüche des Vorsitzenden Strauß sind für einige seiner Landsleute längst Gemeinplätze. Bei Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) in Ottobrunn, wenige Kilometer von der CSU-Zentrale in München entfernt, analysieren Experten Pläne und Probleme des fernöstlichen Riesenreiches. »1974 war der chinesische Botschafter hier«, berichtet der für Exportgeschäfte zuständige MBB-Geschäftsführer Sepp Hort, »im Frühjahr war eine Regierungsdelegation mit dem stellvertretenden Außenhandelsminister zu Gast, und zwei Delegationen haben sich für Oktober angesagt -- wir stehen in pausenlosem Kontakt.«

Zum zukunftsträchtigen Dauerdialog verhalf MBB-Chef Ludwig Bölkow ein auch im Westen geschätztes Gerät: Ober den einzigen erfolgreich in Serie gefertigten westdeutschen Hubschrauber BO 105, der fünf bis sieben Passagiere über Kurzstrecken fliegt und eine Million Mark kostet, kamen sich Bayern und Chinesen rasch näher. Daneben interessierten sich die fernöstlichen Unterhändler auch für das Waggon- und Nahverkehrsprogramm der Bayern.

Ohne Umschweife kamen die Chinesen denn auch bei der deutschen Industrieausstellung »Technogerma« in Peking zur Sache: Am Flughafen wurde MBB-Manager Hort bereits von einer Delegation erwartet. Beim abendlichen Bankett präsentierten ihm seine Gastgeber seinen endgültigen Verhandlungspartner: eine Staatsfirma namens Industriegesellschaft Nord. Sechs Tage später war dann zwischen Peking und Ottobrunn alles klar: Während alle anderen westdeutschen Firmen über zumeist unverbindliche Kontaktgespräche mit Staatsstellen nicht hinausgekommen waren, unterzeichneten Hort und sein chinesischer Managerkollege einen Vertrag über die gemeinsame Entwicklung von Nahverkehrssystemen.

»Insbesondere über den Bau von Waggons und Hubschraubern«, betont Hort, »kam es zu sehr konkreten Gesprächen.« Dabei gaben sich die Chinesen als überaus vorsichtige Kaufleute. Aus Angst vor Überschuldung und wegen ihres Devisenmangels trauen sie sich kaum, teure Großaufträge zu erteilen. Statt dessen versuchen sie, rasch und billig Lizenzen und technischen Rat zu kaufen und dann gemeinsame Entwicklungen anzupeilen.

So ist sich Hort zwar sicher, daß seine Geschäftsfreunde »eine größere Stückzahl« BO 105 kaufen werden. Doch die Zukunft des Geschäfts. schätzt er, liegt eher in der gemeinsamen Entwicklung einer stärkeren 80105-Version. Hort: »Wir wollen denen nicht irgend was verkaufen, sondern wir müssen sehen, was langfristig am besten paßt.«

Schon füttern die Experten von MBB ihre Computer mit Infrastrukturdaten aus China, um die Transportbedürfnisse des 750-Millionen-Volkes wenigstens auf dem Papier zu befriedigen.

Und während die Münchner die deutsch-asiatische Helikopter-Kooperation schon sicher unter Dach glauben, zeichnet sich ein Anschlußgeschäft auf der Erde ab: Insbesondere für ihre großflächigen Städte suchen die Chinesen neue Massentransportmittel -- und auch damit kann die im U- und S-Bahn-Bau erfahrene Firma dienen. »In etwa ein bis zwei Jahren«, so rechnet man bei MBB, »ist auch in diesem Geschäft etwas fällig.«

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