Seifert kalt erwischt Wo sind die Alternativen?
Frankfurt am Main - Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert steht vor einem Trümmerhaufen, nachdem die Spitze der London Stock Exchange (LSE) auch offiziell die Fusionspläne mit Frankfurt ad acta gelegt hat. Seifert hatte bis zuletzt auf diese einzige Karte gesetzt. Zum Zusammenschluss mit der Londoner Börse gebe es "keine Alternative", hatte er verkündet. Auch der Aufsichtsratsvorsitzende, Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer, hatte die Fusion zur Superbörse iX noch am Montag als "die attraktivste Option" bezeichnet.
Jetzt blieb den Frankfurtern daher nichts übrig, als eine inhaltsarme Pressemitteilung zu verbreiten: "Die Deutsche Börse wird Handlungsalternativen prüfen." Dies ließ die Frage offen, ob angesichts der starren Fixierung auf eine einzige Variante auch in den geheimsten Schubladen ein alternatives Notprogramm fehle. Dem forsch agierenden Börsenchef wird nun nichts anderes übrig bleiben, als die zerschnittenen Fäden in Richtung Paris wieder aufzunehmen.
Von besonderer Ironie ist dabei, dass ausgerechnet die völlig unterschätzten Nordmänner aus Schweden die Superbörse iX versenkten. Die Front von Gegnern und Kritikern des Zusammenschlusses kam zwar nur langsam in Position, dafür um so wirksamer.
Das feindliche Übernahmeangebot der Schweden war aber nur Vorwand für den radikalen Kurswechsel an der Themse. "Das Projekt kommt mindestens zehn Jahre zu früh", urteilte die "Börsen-Zeitung". Über Jahrhunderte gewachsene Rechtssysteme und Kulturen lassen sich nicht über Nacht harmonisieren. Politisch war das Projekt bereits gescheitert, als die zunächst rein ökonomische Entscheidung mit nationalen Emotionen begleitet wurden. "Invasion" und "frühere Todfeinde" hieß es selbst in seriösen Londoner Blättern. Dahinter steckt die Befürchtung, die Teutonen wollten sich den Finanzplatz London aneignen.
In Frankfurt hielt man sich mit Vokabeln aus dem Zweiten Weltkrieg zurück. Aber auch hier waren die Zukunftsängste groß. Mit der beabsichtigten Verlagerung der 30 Standardtitel über den Kanal wären 70 bis 80 Prozent des Handelsvolumens verloren gegangen. Das Gegengeschäft, den Wachstumssektor Neuer Markt komplett in Frankfurt anzusiedeln, kam immer stärker in die Kritik. Kein Emittent hätte nämlich gezwungen werden können, die traditionsreiche City in Richtung Frankfurt zu verlassen. Vielmehr wurde am Main bis zuletzt ein Rutschbahneffekt zur LSE befürchtet.