Senderkauf Springer will auf Medienmacht verzichten
Bonn/Berlin - "Die Stellungnahme ist fristgemäß eingegangen", sagte eine Sprecherin der Bonner Behörde heute wenige Stunden nach Ablauf der Frist. So habe der Verlag angeboten, seine Verbindungen zum Medienriesen Bertelsmann weitgehend zu kappen, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" ohne Angabe von Quellen. Eine Springer-Sprecherin bezeichnete dies als Spekulation.
Springer stellte dem Bericht zufolge in Aussicht, einen Anteil von 25,1 Prozent an dem Tiefdruckunternehmen Prinovis, das mehrheitlich zu Bertelsmann gehört, zu verkaufen. Offenbar seien auch Maßnahmen bei von Springer und Bertelsmann gemeinsam betriebenen Pressevertriebsfirmen und Privatradios wie Antenne Bayern geplant. Weder Springer selbst noch das Kartellamt wollten zunächst zu den Details Stellung nehmen. Die Wettbewerbshüter müssen nun bis zum 27. Dezember eine Entscheidung treffen.
Die Fusion wird in der Branche mit Argwohn betrachtet: Wie die "SZ" weiter berichtete, protestierte selbst das mit Springer traditionell befreundete Verlagshaus Hubert Burda beim Kartellamt frühzeitig gegen den geplanten Zusammenschluss, weil dadurch eine erdrückende Medienmacht in Deutschland entstehe. Burda befürchte vor allem Nachteile bei der Akquisition von Werbeaufträgen für seine Zeitschriften. Springer könne in seinen Zeitungen und Fernsehsendern Werbekombinationen mit hohen Rabatten anbieten und anderen Verlagen Aufträge wegschnappen, hieß es. Mit denselben Argumenten habe auch das ZDF seine Einsprüche beim Kartellamt angemeldet, berichtete das "Handelsblatt". Die ARD und die Stuttgarter Holtzbrinck-Gruppe ("Die Zeit", "Tagesspiegel") haben sich laut "SZ" ebenfalls gegen den Zusammenschluss ausgesprochen.
Auch das Kartellamt hatte Bedenken gegen den Kauf der Fernsehgruppe durch Springer angemeldet und mit einem Verbot gedroht. Springer hat jedoch die Möglichkeit, die Wettbewerbshüter von der Unbedenklichkeit des Geschäfts für die deutsche Medienlandschaft zu überzeugen. Der Verlag hatte bis zuletzt offen gelassen, ob er in seiner Stellungnahme nur argumentiert oder auch Kompromisse anbietet. Kartellamtspräsident Ulf Böge hatte vor zwei Wochen unmissverständlich auf Zugeständnisse gepocht.