22 Ziffern: Monster-Kontonummern sollen Pflicht werden - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

22 Ziffern Monster-Kontonummern sollen Pflicht werden

Alle EU-Bürger sollen ab 2013 Kontonummern mit 22 Ziffern verwenden. Das gab Binnenmarktkommissar Barnier bekannt, Regierungen und EU-Parlament müssen noch zustimmen. Verbraucherschützer warnen vor deutlich mehr Fehlüberweisungen.
Überweisungsformular: Bald 22 Felder für die Kontonummer
Überweisungsformular: Bald 22 Felder für die Kontonummer

Überweisungsformular: Bald 22 Felder für die Kontonummer

Foto: Uwe Anspach/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Die Bedenken in Deutschland waren groß, Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) probte den Aufstand: Trotzdem werden die Deutschen ihre derzeitigen Kontonummern wohl nicht mehr lange behalten dürfen. Die EU plant ab 2013 die verpflichtende Einführung des internationalen Zahlungssystems Sepa. Dabei werden alle Kunden eine 22-stellige Kontonummer (Iban) haben, dazu kommt ein elfstelliger Bankcode (Bic) - auch bei Überweisungen im eigenen Land.

Einen entsprechenden Vorschlag hat EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier am Donnerstag präsentiert. "Das bedeutet, dass Zahlungen ins Ausland so einfach werden wie die zu Hause", sagte er. Überweisungen seien damit künftig schneller, billiger und sicherer. Versteckte Gebühren zwischen Banken für Lastschriften, die es in einigen EU-Staaten noch gibt, werden verboten. Das Sparpotential beziffert die Kommission auf insgesamt 123 Milliarden Euro in sechs Jahren.

Für Lastschriften soll die Umstellung 2014 vollzogen sein. Allerdings wird es Übergangsfristen geben. Dem Vorschlag müssen das Europaparlament und der EU-Ministerrat, der die 27 Regierungen vertritt, zustimmen.

Banken und Sparkassen in Deutschland hatten zuletzt eine längere Frist von drei bis vier Jahren für die Umstellung gefordert. Nun sollen die neuen Regeln ein beziehungsweise zwei Jahre nach Inkrafttreten des Vorschlags gelten, der dem EU-Parlament und den Mitgliedstaaten zur Abstimmung vorliegt, erklärte die Kommission.

Bereits vor Jahren hatte die EU festgelegt, dass auch reine Inlandszahlungen auf das neue System umgestellt werden sollen. Obwohl Sepa-Überweisungen seit Januar 2008 möglich sind, würden heute noch immer weniger als zehn Prozent aller Überweisungen im Euro-Raum so abgewickelt. Daher sei eine Regulierung auf EU-Ebene nötig, um das neue System fristgerecht umzusetzen.

Verbraucherschützer warnen vor Zahlendrehern

Die Pläne stießen in Deutschland schon im Sommer auf massive Kritik, viele würden von den Zahlenkolonnen überfordert werden, hieß es. Verbraucherschützer warnten zudem davor, dass die Gefahr von Zahlendrehern und damit fehlgeleiteten Überweisungen steige. Je länger eine Zahl sei, desto leichter verschreibe man sich nun mal, sagte Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Eine Überweisung sei außerdem nicht mehr rückgängig zu machen, wenn sie einmal abgeschickt wurde. Dafür müsse sich der Kunde dann an den falschen Empfänger wenden - "auf eigenes Risiko und eigene Kosten", kritisierte Pauli.

Für das vom deutschen Handel geschaffene kostengünstige "Elektronische Lastschriftverfahren" erhält Deutschland eine Übergangsfrist von fünf Jahren. Die Bankenbranche hatte gewarnt, dass Kunden jede Einzugsermächtigung neu erteilen müssten. "Dieses Problem muss Deutschland nun selbst lösen, alle 26 anderen Länder haben das bereits geschafft", sagte ein EU-Experte.

Der Bundesverband deutscher Banken forderte, der Übergang auf das europäische Verfahren müsse "mit Augenmaß erfolgen". Die von der EU-Kommission genannten Fristen seien zu ambitioniert und sollten auf drei bis fünf Jahre ausgeweitet werden.

wit/dpa/Reuters