Anlagestrategie 2017 Die Luft wird dünner
Skyline in Frankfurt
Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERSAus wirtschaftlicher Sicht war 2016 kein gutes Jahr. Die Briten verabschiedeten sich mal eben von der EU, ein unberechenbarer Donald Trump wurde zum nächsten US-Präsidenten gewählt, und in Italien geht der drittgrößten Bank des Landes das Geld aus.
Von all dem zeigten sich die Börsen unterm Strich relativ unbeeindruckt: Zwar ging es 2016 turbulent zu, immer wieder gab es größere Korrekturen. Doch der Crash blieb aus. Bis jetzt hat der deutsche Leitindex Dax im Jahr 2016 ein Plus von immerhin knapp acht Prozent erzielt, der US-amerikanische Leitindex Dow Jones kletterte gar auf einen Rekordstand.
Die Aktienmärkte befinden sich damit noch immer in der Spätphase eines Haussezyklus, der nun schon seit acht Jahren andauert. Angetrieben durch die ultralockere Geldpolitik der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB), die nach der Finanzkrise Milliarden in die Märkte pumpten, stiegen weltweit die Aktienkurse immer weiter.
Keine gefährliche Euphorie
"Aber von einer gefährlichen Euphorie, die einem großen Crash meist vorausgeht, ist derzeit nichts zu spüren", sagt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei JP Morgan in Frankfurt. Denn einige Investoren hätten sich 2016 sogar im großen Stil von Aktien getrennt und hielten nun mehr Geld in bar, um sich gegen mögliche Schocks abzusichern. Tatsächlich wurden im laufenden Jahr 100 Milliarden Dollar aus dem Aktienmarkt abgezogen - so viel wie seit Jahren nicht mehr.
Der Grund: Investoren rechnen für das Jahr 2017 mit einer Reihe von Risiken, die die Aktienkurse zeitweise nach unten drücken könnten:
- In den USA besteht die Gefahr, dass Trump mit seinem angekündigten Konjunkturprogramm die Wirtschaft überhitzt. Auch seine Stimmungsmache gegen den Freihandel betrachten Investoren mit Sorge.
- Europäische Banken befinden sich noch immer im Krisenmodus und sind besorgniserregend unterkapitalisiert.. Auch die Staatsschulden-Krise südeuropäischer Länder ist noch nicht gelöst.
- Die möglichen Wahlsiege von Populisten in Frankreich und den Niederlanden könnten für weitere politische Unruhe in Europa sorgen.
Dass Aktien im Jahr 2017 nochmals einen kräftigen Höhenflug erleben, gilt wegen dieser Risiken als ausgeschlossen. Von den üppigen Renditen der vergangenen acht Jahre müssen sich Anleger verabschieden. Vielmehr müssen sie sich auf stärkere Schwankungen einstellen - 2017 dürfte turbulent werden.
Anleger können von steigender Unsicherheit aber profitieren. "Denn die besten Momente zum Investieren sind diejenigen, in denen niemand mehr Aktien kaufen möchte", sagt Jan Ehrhardt, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der DJE Kapital AG.
Alles in allem gibt es für Privatanleger noch lange keinen Grund, in Panik zu verfallen. Denn trotz der Unsicherheit rechnet ein Großteil der Finanzexperten im Jahr 2017 für den Weltaktienmarkt immer noch mit Renditen zwischen vier und neun Prozent - nach Abzug der Inflationsrate.
Nicht gerade viel, aber immer noch ein Vielfaches von dem, was Sparbücher, Staatsanleihen und Tagesgeldkonten abwerfen. Zur Erinnerung: Im Schnitt gibt es für sicheres Tagesgeld derzeit gerade mal 0,2 Prozent Zinsen.
Finanzexperten sprechen vom "Tina-Prinzip" der Aktie: There is no alternative. "Zu Aktien wird es auch im Jahr 2017 wenig Alternativen geben", sagt Fondsmanager Ehrhardt. Wer langfristig Vermögen aufbauen will, kommt auch im neuen Jahr um Aktien nicht herum (Wie Sie als Privatanleger globalgestreut in Aktien investieren können, erfahren Sie hier).
Und trotz ihrer hohen Kursstände gelten Aktien immer noch nicht als überbewertet: Im Durchschnitt sind zum Beispiel die Aktien im deutschen Leitindex Dax mit dem etwa 13-fachen ihres Jahresgewinns bewertet und liegen damit unter ihrem historischen Bewertungsdurchschnitt. Sie haben damit noch nicht das hohe Bewertungsniveau erreicht, das kurz vorm Ausbruch der Finanzkrise herrschte. "Die Zeit der Schnäppchen ist zwar vorbei, aber der Aktienmarkt ist alles andere als extrem bewertet", sagt Galler.
Zudem gibt es auch gute Gründe für weiterhin steigende Kurse im Jahr 2017:
- Die Europäische Zentralbank wird noch auf Jahre hinaus an ihrer lockeren Geldpolitik festhalten und die Märkte mit billigem Geld stützen.
- Ein sich langsam stabilisierender Ölpreis könnte im Jahr 2017 für steigende Gewinne von US-Unternehmen sorgen. Im besten Falle steigt der Ölpreis aber nur moderat an, denn ein zu starker Anstieg würde den Konsum in den USA abwürgen
- Donald Trumps Plan, Unternehmensteuern zu senken, könnte die Gewinne der US-Unternehmen deutlich steigern.
Doch unabhängig davon, ob 2017 die Chancen oder Risiken überwiegen, sollten Anleger nie nur die kurzfristige Jahressicht vor Augen haben. Breitgestreute Aktienportfolios bewähren sich vor allem langfristig,
Natürlich können die Börsenindizes in einem Krisenjahr vorübergehend auch mal um 30 oder sogar 50 Prozent einbrechen, dem langfristigen Trend schadet das aber nicht. Wer zum Beispiel im Alter von 30 anfängt, Kapital aufzubauen, um 30 Jahre später davon seine Altersvorsorge zu bestreiten, hat genug Zeit, auch schwere Krisen auszusitzen.
Privatanleger sollten deshalb gar nichts tun, wenn die Unsicherheit an den Börsen zunimmt - sondern warten und einfach investiert bleiben.