Anhaltende Engpässe Apotheker erwarten Arzneimittel-Knappheit
Teils Mangelware: Fieber und Schmerzmittelsaft für Kinder
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Viele Bürgerinnen und Bürger haben in den vergangenen Monaten die Engpässe in der Medikamentenversorgung bereits am eigenen Leib erfahren: Sie haben Apotheken abtelefoniert oder Ärzte gebeten, alternative Antibiotika zu verschreiben, weil die ursprünglich verordneten Präparate nicht aufzutreiben waren.
Nun schlägt auch der Apothekerverband Nordrhein Alarm. Derzeit seien täglich rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland von Engpässen bei der Versorgung mit Medikamenten betroffen. Das sagte der Verbandsvorsitzende Thomas Preis am Donnerstag im ARD-»Morgenmagazin«. »Manchmal steht die Versorgung wirklich auf der Kippe«, sagte er mit Blick etwa auf Antibiotika, die aktuell wieder sehr knapp seien und schnell an die Patienten kommen müssten. In Deutschland handele es sich bei den verschriebenen Arzneimitteln zu 80 Prozent um die vergleichsweise günstigen sogenannten Generika, also Medikamente, für die die Patente abgelaufen seien. »Die werden immer knapper.«
Preis forderte, die Versorgung müsse im Vordergrund stehen, der Staat trage dafür die Verantwortung: »Die Wirtschaftlichkeit muss jetzt ein Stück zurückstehen.« Schon im vergangenen Jahr hatte es für einige Medikamente – vor allem Antibiotika und einige Arzneimittel für Kinder – Engpässe gegeben.
Gespräche in Berlin
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat angekündigt, gegen Engpässe bei Kindermedikamenten im Herbst und Winter vorzugehen. Bei einem Treffen am Donnerstag in Berlin soll darüber mit Vertreterinnen und Vertretern von Ärzten, Apotheken und Pharmabranche beraten werden. Dabei soll es darum gehen, die Versorgungslage zu analysieren und zu verbessern. Der SPD-Politiker hatte bereits darauf hingewiesen, dass für Antibiotika und weitere relevante Mittel »eine angespannte Versorgungssituation« entstehen könnte. Im vergangenen Winter waren nach einer Infektwelle Probleme bei Lieferungen unter anderem von Fieber- und Hustensäften eskaliert.
Der FDP-Gesundheitspolitiker Lars Lindemann mahnte eine breitere Beteiligung der Arzneimittelhersteller und Pharmaverbände an. Nur mit Erleichterungen beim Austausch von Präparaten für Apotheken werde eine belastbare Lösung nicht möglich sein. »Die Probleme liegen tiefer und sind nicht nur in der Distribution begründet.«
Mit Blick auf die nahende Erkältungssaison hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bereits eine »Dringlichkeitsliste« mit gut 30 Kinderpräparaten veröffentlicht, die von den Akteuren mit höchster Priorität beschafft werden sollten. Darauf stehen mehrere Antibiotika, Nasentropfen, fiebersenkende und schmerzlindernde Säfte und Zäpfchen. Lauterbach hatte die Pharmabranche um Einschätzungen zu verfügbaren Mengen und den Bereitstellungskosten gebeten.
Im Blick steht vor allem eine schnelle, kurzfristige Vorsorge. Um Medikamente besonders für Kinder generell besser abzusichern, war Ende Juli bereits ein Anti-Engpass-Gesetz in Kraft getreten. Es macht als Sicherheitspuffer Vorräte von mehreren Monatsmengen für viel genutzte Mittel zur Pflicht. Preisregeln sollen gelockert werden, um Lieferungen nach Deutschland für Hersteller lohnender zu machen. Das Gesetz brauche aber Zeit, um zu wirken, sagte Lauterbach.
Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin mahnte zuletzt, die Versorgung von Kindern »winterfest« zu machen. Man teile die Sorge, dass sich Engpässe in der bevorstehenden Infektsaison wiederholen könnten. Der produktions- und liefertechnisch bedingte Mangel an kindgerechten Antibiotika, Fiebersäften und anderen Mitteln stelle eine erhebliche Belastung für Eltern, Praxen, Apotheken und Kliniken dar. Das jüngst beschlossene Gesetz sei ein guter Schritt, müsse aber durch kurzfristig wirksame Maßnahmen begleitet werden.