Börsencrash: Warum sich Aktien jetzt lohnen - DER SPIEGEL
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Geldanlage Aktien? Jetzt erst recht!

An den Börsen geht es derzeit mehr ab als auf. Und ängstliche Gemüter glauben wieder einmal erkannt zu haben: Aktien sind nichts für mich. Ein fataler Irrglaube.
Frankfurter Börse: Investieren in Aktien ist eine langfristige Angelegenheit
Frankfurter Börse: Investieren in Aktien ist eine langfristige Angelegenheit

Frankfurter Börse: Investieren in Aktien ist eine langfristige Angelegenheit

Foto: DPA
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ich möchte heute ein Plädoyer halten für das Anlegen in Aktien - und Ihnen zeigen, wie Sie gleichzeitig ruhig schlafen.

Internationale Aktien haben in den vergangenen Jahrzehnten bei allem Auf und Ab für den Anleger auf Eurobasis im Schnitt sechs bis sieben Prozent Rendite pro Jahr gebracht . Es gibt eigentlich nur eine Anlageform, die langfristig noch sicherer gute Renditen und guten Schlaf bringt: Schulden tilgen. Manche Menschen haben einfach keine Schulden. Denen bleiben eigentlich nur Aktien - aus drei Gründen.

Erstens: Investitionen in Aktien sind eine langfristige Angelegenheit. Mit den richtigen Entscheidungen zu Beginn können Sie richtig lange ruhig schlafen. Kurzfristiges Investieren in Aktien ist Zockerei, Glücksspiel - und zwar mit Handicap. Denn neben Ihnen spielen Maschinen, die Aktien im Sekundentakt kaufen und verkaufen. Die drücken den Dax am Montagnachmittag zwischenzeitlich mal eben auf unter 9.400 Punkte, am Donnerstag früh steht er dann wieder bei 10.300 Punkten. Selbst wenn die kurzfristige Wette auf die Märkte gelingt, die Abnutzung des Nervenkostüms wird Ihnen normalerweise nicht vergütet.

Zweitens: Je stärker ich die Aktien mische, in die ich investiere, desto geringer das Risiko, dass die Krise einer Firma, eine Landes oder eines Kontinents ganz hart durchschlägt. Ist eigentlich logisch. In einer eng verknüpften Weltwirtschaft sind die Auswirkungen von Krisen an einem Ende der Welt zwar immer auch am anderen Ende der Welt zu spüren - aber eben nicht so deutlich wie im Epizentrum. Eine gute Mischung erreichen Sie nicht mit drei oder fünf unterschiedlichen Aktien aus genau so vielen Ländern, sondern mit einem weltweiten Aktienfonds, der sich an Hunderten Firmen beteiligt.

Drittens: Beim langfristigen Investieren spielen die Kosten eine große Rolle. Der Weltaktienmarkt ist von seiner Spitze im Jahr 2000 bis heute um knapp 30 Prozent gestiegen. Hätte ihr Fondsmanager jedes Jahr zwei Prozent Gebühren genommen, hätte zwar der Manager sicher profitiert, ihnen aber wäre als Anleger von dieser Steigerung nicht viel übrig geblieben. Ist ihr Depot teuer, verdient ihre Bank jedes Jahr Hunderte Euro. Ihnen bleibt aber von der Rendite nichts übrig.

Wer alle drei Argumente berücksichtigt, kommt zu einer klaren und einfachen Anlagestrategie:

  • Sie investieren Geld, das Sie über viele Jahre nicht benötigen, in ein oder zwei internationale Aktienindexfonds , die ihre Wertentwicklung aus der Entwicklung von 1.500 bis 1.600 Aktien rund um den Globus beziehen. Die Fonds bringen eine Mischung, die Krisen in den unterschiedlichen Epizentren zwar spürbar macht, aber deutlich abmildert.
  • Solche Indexfonds lassen sich günstig an der Börse kaufen, und die Verwaltung durch das Fondsmanagement kostet jährlich deutlich weniger als ein halbes Prozent - verglichen mit den zwei Prozent, die heute bei klassischen Aktienfonds üblich sind. Ein kostenloses Depot  zur Aufbewahrung der Fonds rundet die Sparstrategie ab. Ein solches Depot spart über die Jahre schon bei kleinen Anlagesummen einige Hundert Euro.
  • Das so investierte Vermögen lassen Sie liegen und wachsen. Ein zwischenzeitliches Minus verschlafen Sie einfach. Mit dieser Strategie machten Anleger in der Vergangenheit über die lange Frist (mindestens 15 Jahre) immer Gewinne.

Eine Warnung möchte ich trotzdem aussprechen. Es ist durchaus möglich, dass die Krise in China (oder eine andere Krise) noch drastischere Auswirkungen hat, als in dieser Woche sichtbar wurde. Dann fallen die Kurse noch weiter. Das weiß niemand im Voraus. Am grundsätzlichen Ja zu Aktien ändert das nichts.

Zum Autor

Hermann-Josef Tenhagen, Jahrgang 1963, ist Chefredakteur von »Finanztip« und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation GmbH. Der Geldratgeber ist Teil der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. »Finanztip«  refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links, nach deren Anklicken »Finanztip« bei entsprechenden Vertragsabschlüssen des Kunden, etwa nach Nutzung eines Vergleichsrechners, Provisionen erhält. Mehr dazu hier .

Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift »Finanztest« geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der »taz«. Dort war er jahrelang ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Auf SPIEGEL.de schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.