Dax-Geflüster Stromriesen fehlt die Börsen-Power
Stromleitungen: Energiekonzerne müssen Lasten schultern
Foto: A3528 Armin Weigel/ dpaHamburg - Früher war alles besser, zumindest aus Sicht der Energiekonzerne. Früher sah die Rechnung so aus: Große Kundenzahlen, ein Quasimonopol und ein guter politischer Zugang ergaben ein gutes Investment. Die Stromkonzerne boten alle drei Voraussetzungen.
2010 sieht das anders aus. Die Energieaktien von E.on und RWE tragen die rote Laterne im Dax , über das Jahr verloren sie 17 beziehungsweise 23 Prozent an Wert. Zum Vergleich: Der Index selbst gewann mehr als 22 Prozent. Nur ein kurzer Spannungsabfall für die Energiekonzerne - oder ein Paradigmenwechsel?
Eher letzteres. Denn die Energiekonzerne müssen Lasten schultern, die anderen Branchen erspart bleiben.
Beispiel Brennelementesteuer: Von 2013 an müssen die Stromerzeuger sämtliche Kohlendioxid-Lizenzen ersteigern - bislang erhielten sie das Gros kostenlos. "Eine neue Zeitrechnung", sagte RWE-Vorstand Jürgen Großmann mit Blick auf das Jahr 2013.
Auch die seligen Zeiten des Monopols sind vorbei. Billiganbieter drängen auf den Markt. "Die Zeit der Monopolgewinne ist vorbei", sagt Karl Huber, der bei Pioneer Investments den German Equity Funds verwaltet, einen deutschen Aktienfonds. Entsprechend skeptisch blickt er auf die Aktien der Stromer.
Fast wirken sie etwas aus der Zeit gefallen. "Für die Versorger geht ein tolles Jahrzehnt zu Ende, in dem es um Deregulierung und Investitionen ging", sagt Huber. Und auch um Zusammenschlüsse - Veba und Viag formten zum Beispiel E.on. "Doch das ist jetzt Geschichte. Die Anleger wollen nun wissen, wie es in den Unternehmen weiter geht."
Eine treffende Antwort haben die Unternehmen in 2010 offenbar nicht gefunden - sonst wären die Kurse nicht so gefallen.
Politische Unsicherheit
"Nehmen wir das Beispiel E.on. Zuerst wollten sie nach Spanien expandieren, das wurde nichts, dann sollte es Osteuropa sein. Und nun? Dazu kommen die offenen politischen Fragen, Stichwort Atomstrom", sagt Huber. Auch ist ungewiss, welche Kraftwerke die Unternehmen nun bauen sollen und welche Kosten beim Ausbau der Energienetze auf sie zukommen. Zu viele offene Fragen für stabile Aktienkurse.
Ein deutsches Phänomen? Nicht ganz. Den Trend gibt es auch in anderen Ländern, beispielsweise Spanien. "Dort sind in den vorigen zehn Jahren genau die Werte gut gelaufen, die aktuell leiden - Banken zum Beispiel oder Versorger", sagt Huber. Das gleiche Bild in Frankreich. Dort büßte die Aktie von Électricité de France (EDF) 2010 fast 20 Prozent an Wert ein und gehört damit zu den Verlierern des Jahres. Doch EDF soll immerhin zum französischen Champion aufgebaut werden, das unternehmen soll sich mit dem Nuklearkonzern Areva verbünden. Die EdF-Aktie hat Chancen 2011 wieder zu steigen.
Den deutschen Energieriesen fehlen solche Perspektiven. "Die Unternehmen verdienen ja noch Geld und schütten Dividenden aus. Aber es ist zu vieles unklar, als dass ihre Aktien attraktiv wären", sagt Huber. Tatsächlich liegt die Dividendenrendite für 2010 im Falle E.ons bei 6,72 Prozent, bei RWE bei über sieben. Und das Kursgewinnverhältnis der beiden pendelt um die sieben Prozent - bei Daimler liegt es bei 29 Prozent.
Chancen auf eine nachhaltige Besserung sieht Fondsmanager Huber derzeit nicht. "Wenn im kommenden Jahr die Erholung weitergeht, könnte es sein, dass die Versorger wieder ins Dax-Mittelfeld rutschen. Aber mehr auch nicht."