Teurer Billigstrom Ex-Teldafax-Manager stehen vor Gericht
Teldafax-Logo: Schwerer Schock für den Strommarkt
Foto: Oliver Berg/ dpaBonn - Für drei Ex-Manager des Billigstromanbieters Teldafax wird es ernst: Ein Jahr nach Anklageerhebung stehen die ehemaligen Vorstände Klaus Bath, Gernot Koch und Michael Josten vor der Wirtschaftsstrafkammer des Bonner Landgerichts. Sie werden verantwortlich gemacht für die Pleite des Unternehmens, bei der Hunderttausende Kunden Geld verloren.
Was wird den Angeklagten vorgeworfen?
Konkret geht es um Insolvenzverschleppung, gewerbsmäßigen Betrug und um Bankrotthandlungen wie das nicht ordnungsgemäße Führen der Geschäftsbücher.
Welche Strafe droht ihnen im Fall eines Schuldspruchs?
Sollte es zu einer Verurteilung kommen, droht eine Freiheitsstrafe von mehr als fünf Jahren.
Worum geht es in dem Verfahren konkret?
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft waren die Teldafax Holding und deren Töchter Teldafax Services und Teldafax Energy bereits Mitte 2009 zahlungsunfähig. Auch wenn zwischenzeitlich Liquidität zur Verfügung stand, habe sich an der Lage der permanenten Unterdeckung nichts geändert, heißt es in der Anklageschrift. Trotzdem habe es der Vorstand nach Bekanntwerden der Insolvenzreife versäumt, innerhalb von drei Wochen einen Insolvenzantrag zu stellen. Dies geschah erst zwei Jahre später. In dieser Zeit gewann der Energie-Discounter Hunderttausende neue Kunden.
Warum war das Unternehmen nicht profitabel?
Teldafax setzte auf aggressiv Masse. Um rasch neue Kunden zu gewinnen, verkaufte das Unternehmen seinen Strom günstiger, als es ihn einkaufte. Finanziert wurde das mit einer immer größeren Zahl von Neukunden. Diese mussten bei Vertragsabschluss Vorauszahlungen für ein ganzes Jahr leisten. "Hier haben Leute versucht, auf Kosten anderer mit dem Unternehmen Geld zu verdienen", sagte Insolvenzverwalter Biner Bär.
Warum konnte Teldafax so viele Kunden gewinnen?
Zu Beginn der Öffnung des Strommarktes wurde das Geschäft von wenigen Energiekonzernen dominiert. Andere Wirtschaftsbereiche wie die Telekommunikation hatten da bereits gezeigt, welche Preisspielräume möglich sind. Das Interesse an Billigtarifen war entsprechend hoch. Je nach Haushaltsgröße sollten Privatverbraucher bis zu mehrere hundert Euro Stromkosten im Jahr sparen können, lautete das Versprechen.
Haben geprellte Kunden bei Verurteilung der Angeklagten bessere Chancen, an ihr Geld zu kommen?
Zwar verbessern sich bei einer Verurteilung die Möglichkeiten, Schadensersatzklagen durchzusetzen. Aber die Vermögenslage der Manager wird im Fall der Fälle kaum ausreichen, die Forderungen vollständig zu bedienen. Bei einem Schaden von insgesamt 500 Millionen Euro - das ist die Schätzung des Insolvenzverwalters - werden die vielen Gläubiger vermutlich große Abstriche machen müssen.
Welche Lehren ziehen Verbraucherschützer aus dem Fall Teldafax?
Bundesnetzagentur und Verbraucherschützer warnen schon seit langem bei einem Wechsel des Stromanbieters vor Tarifen mit Vorauszahlung. Geht das Unternehmen pleite, ist es schwierig, an sein Geld zu kommen.
Wann urteilen die Richter über die Ex-Manager?
Zunächst sind bis Mai 16 Sitzungstage angesetzt. Das Gericht erwartet allerdings, dass sich das Verfahren über das gesamte Jahr hinziehen wird.