Finanzberater Regierung will Provisionstrickserei stoppen
München - Bei Anlagegeschäften profitieren die Berater oft mehr als die Kunden. Die Bundesregierung will Anleger nun mit einem neuen Modell vor Abzocke schützen. Vermittler sollen demnach statt undurchsichtiger Gebühren ein vorher festgelegtes Honorar bekommen. Laut "Süddeutscher Zeitung" hat das Verbraucherschutzministerium ein entsprechendes Eckpunktepapier ausgearbeitet, das derzeit mit Finanz-, Wirtschafts- und Justizministerium abgestimmt wird.
"Dem Verbraucher muss im Beratungsgespräch klar sein, ob er es mit einem Vermittler zu tun hat, der vom Verkauf von Finanzprodukten profitiert, oder mit einem unabhängigen Berater, der von der Beratungsleistung lebt (Honorar) und der Finanzprodukte entweder überhaupt nicht verkauft oder hieran nichts verdient", zitiert die Zeitung aus dem Papier. Demnach will das Ministerium das Berufsbild des Honorarberaters verankern und zugleich eine bessere Qualifikation verlangen. Ähnlich wie Steuerberater oder Rechtsanwälte sollen Berater künftig bestimmte Voraussetzungen erfüllen.
Um versteckte und hohe Provisionen auszuhebeln, sollen Honorarberater den Plänen zufolge ausschließlich von den Kunden bezahlt werden. Die Gebühr soll vorher festgelegt werden. "Der Honorarberater muss in seinen Entscheidungen von Produktanbietern unabhängig sein. In keinem Fall darf er Provisionen für sich behalten", zitiert die "SZ" aus dem Papier.
Bei der Vermittlung von Finanzprodukten dürften jedenfalls keine wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Produktanbietern und Vermittlern bestehen. Dies könnte laut dem Plan des Ministeriums dadurch gelingen, dass Anbieter von Versicherungen und Anlageprodukten Nettotarife ohne Provisionen schaffen.
Verbraucherschützer kritisieren, dass Berater dazu neigen, mit hohen Vermittlergebühren verbundene Produkte zu verkaufen, weil sie daran selbst am meisten verdienen. Das soll sich durch die Bezahlung direkt durch den Kunden verändern. Bisher wird Verbrauchern suggeriert, Beratung erfolge kostenlos. Doch Vermittler bekommen für den Verkauf von Produkten Provisionen, von denen wiederum der Kunde nichts mitbekommt.