Gas-Preise: Was Sie tun können - Kolumne - DER SPIEGEL
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Hermann-Josef Tenhagen

meinung •Erhöhungen zum Jahreswechsel Was Sie gegen steigende Gaspreise tun können

Es wird kalt in Deutschland - und oft auch teurer. Mehrere Gasversorger erhöhen zum Jahreswechsel die Preise, teilweise sogar kräftig. Besonders Schnäppchenjäger sollten aufpassen.
Gaszähler
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Foto: Stephan Jansen/ picture alliance / dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Unsere Energieexpertin ist eigentlich die Ruhe selbst. Dennoch war sie diese Woche regelrecht empört über die Verhältnisse auf dem Gasmarkt: "Das sind doch Wildwestmethoden", schimpfte sie. Der Grund für ihren Ärger: Obwohl die Netzgebühren zum Jahreswechsel überwiegend sinken und der Einkaufpreis für Gas nur ganz leicht steigt , langen einige Anbieter wieder kräftig zu. Insgesamt 21 der rund 900 Grundversorger in Deutschland erhöhen zum Jahreswechsel die Preise . Darunter auch saftige Erhöhungen wie bei den Stadtwerken in Zwickau (Gaspreis plus 0,24 Cent pro Kilowattstunde), Gaggenau (plus 0,36 Cent) und Tübingen (plus 0,42 Cent) - alles bei einem durchschnittlichen Gasverbrauch von rund 20.000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr.

Solche Erhöhungen sind besonders unschön, weil ein guter Teil der betroffenen Kunden als Mieter oder Teil einer Eigentümergemeinschaft gar nicht selbst reagieren und einfach den Anbieter wechseln kann wie beim Strom. Sie sind auf die Reaktion des Vermieters oder ihrer Hausverwaltung angewiesen.

Bei leichten Preiserhöhungen könnte man vielleicht noch ein Auge zudrücken, aber einige Anbieter gehen richtig in die Vollen - und hier beginnen die Wildwestmethoden.

Das prominenteste Beispiel: die Gas.de Versorgungsgesellschaft mit der Marke Grünwelt Energie. Im Tarif Grünwelt pur 12 steigen Grundpreis und Arbeitspreis für Kunden in Schleswig-Holstein um jeweils 30 Prozent. Der Grundpreis von 116,53 auf 152 Euro im Jahr, der Arbeitspreis von 3,82 auf 4,97 Cent pro Kilowattstunde.

Nicht nur der Umfang der Preiserhöhung ist bemerkenswert, die Begründung ist geradezu unverfroren.

Denn in dem Anschreiben an die Kunden werden nur die neuen Preise aufgeführt, die alten finden sich in Mini-Schrift am unteren Rand der Seite. Eine gängige Masche, damit die Kunden den Umfang der Preiserhöhung nicht richtig einschätzen können.

Außerdem wird den Kunden suggeriert, die höheren Preise hätten etwas mit dem Vormarsch von Biogas und daran hängenden Netzentgelten zu tun. Kunden sollen offenbar an die EEG-Umlage denken. Diese Begründung ist interessant, weil im konkreten Fall der betroffenen Familie die Netzentgelte nämlich nicht gestiegen, sondern gefallen sind - und deshalb als Begründung für eine Erhöhung schlicht nicht herhalten können. Ökologische Anforderungen ähnlich der EEG-Umlage gibt es bislang im Gasmarkt nicht. Die Ökos können an der Erhöhung also nicht schuld sein.

Warum die Gasanbieter wirklich die Preise erhöhen

Verantwortlich für solche Erhöhungen sind vielmehr andere Marktphänomene. Ein Teil der Erhöhungen geht darauf zurück, dass manche Anbieter sich erst mit Dumpingpreisen in den Markt hineingekauft haben und jetzt die Preise erhöhen müssen, weil die Dumpingpreise nicht kostendeckend sind. Bestandskunden müssen das Geld für die weiteren Sonderangebote bezahlen .

Zum Autor

Hermann-Josef Tenhagen, Jahrgang 1963, ist Chefredakteur von »Finanztip« und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation GmbH. Der Geldratgeber ist Teil der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. »Finanztip«  refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links, nach deren Anklicken »Finanztip« bei entsprechenden Vertragsabschlüssen des Kunden, etwa nach Nutzung eines Vergleichsrechners, Provisionen erhält. Mehr dazu hier .

Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift »Finanztest« geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der »taz«. Dort war er jahrelang ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Auf SPIEGEL.de schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Erheblich sind die finanziellen Belastungen ab dem zweiten Vertragsjahr häufig auch für Kunden mit Bonustarif. Schon der Wegfall der Boni ändert für den Kunden das Preisgefüge enorm. Die Versorger nutzen im Gasmarkt zwei Arten von Boni: den Sofortbonus, den Sie als Kunde - wie der Name verheißt - sofort ausgezahlt bekommen, und den Neukundenbonus. Den Neukundenbonus schieben Anbieter häufig bis zum Ende der Laufzeit auf .

Der Wegfall eines Bonus zählt nicht als Preiserhöhung, und es ist sehr wahrscheinlich, dass Sie in einem Tarif mit hohem Neukundenbonus ab dem zweiten Jahr ordentlich draufzahlen müssen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung von Finanztip.

Was also tun?

Die Bonusjagd

Wenn Sie trotz solcher Manöver gerne weiter auf Bonusjagd gehen wollen, dann gehen Sie so vor:

  • 1. Kündigen Sie gleich zu Vertragsbeginn vorsorglich, am besten per Einschreiben an die Anschrift der Firma. Verwenden Sie keine Postfach-Adresse. Nutzen sie dabei die richtige Formulierung und sprechen Sie die Kündigung erst "zum Ablauf des ersten Belieferungsjahres" aus, nicht zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Bitten Sie um eine Kündigungsbestätigung. Wenn der Versorger daraufhin plötzlich eine neue Zahlungsweise vorschreibt oder am Ende den versprochenen Bonus nicht zahlen will , dann widersprechen Sie schriftlich.
  • 2. Suchen Sie gegen Ende der Vertragslaufzeit nach den dann günstigsten Anbietern inklusive Bonus. Möglichweise erhalten Sie von Ihrem aktuellen Anbieter sogar ein günstiges Folgeangebot. Die Schnäppchenangebote von Grünwelt gibt es allerdings nur für echte Neukunden. Wer schon einmal einen sehr günstigen Tarif hatte und als wechselwilliger Verbraucher bekannt ist, hat kaum noch eine Chance auf einen Vertragsabschluss .

Die ruhige Kugel

Wenn Sie eigentlich kein Bonusjäger sind, aber aktuell auch eine deftige Erhöhung bekommen haben, zünden Sie an diesem Wochenende die Adventskerzen an und nutzen Sie das Licht zum Wechsel des Anbieters. Es gibt günstige Angebote genug  auch ohne Bonus.

Unverschämtheiten müssen Sie sich gerade im friedlichen Advent nicht bieten lassen.