meinung •Nachhaltige Geldanlage Wie Sie mit Klimaschutz Rendite machen
Dieser Juli wird wohl der weltweit wärmste seit Beginn der Messungen. Klimaschutz ist wichtig – und kann sich auch bei der Geldanlage lohnen. Worauf Sie bei nachhaltigen Investitionen achten sollten.
Ökovision umweltfreundlicher Stromerzeugung: Mit Nachhaltigkeit lässt sich auch das Vermögen mehren
Foto: Petmal / iStockphoto / Getty ImagesAuf Rhodos brennt der Wald und vertreibt Zehntausende Touristinnen und Touristen, für Sizilien werden Rekordtemperaturen von 48 Grad angekündigt, und die Meteorologen prophezeien weltweit den bislang wärmsten Juli. Die Klimasignale sind eindeutig und schlimm, und dennoch hat die Zahl der Menschen, die sich hierzulande ums Klima kümmern wollen, zuletzt deutlich abgenommen. Die öffentliche Unterstützung für das Thema hat sich in den vergangenen zwei Jahren quasi halbiert. Das hat eine Studie der gemeinnützigen More-in-Common-Forschenden gerade ergeben .
Geld wird grüner
An einer Stelle hat das Interesse an Klima und Umwelt allerdings eindeutig nicht nachgelassen: der Geldanlage. In diesem Sommer hat sich die Zahl der Nachhaltigkeitsfonds auf dem deutschen Markt gegenüber dem Sommer 2021 fast doppelt. Und bei den Anlagesummen sind Kleinanleger Ende 2022 erstmals mit fast genauso viel Geld investiert wie Stiftungen, Kirchen, Gewerkschaften und andere institutionelle Anleger . »Hatte der Anteil von privaten Anleger:innen im Vorjahr noch bei 36 Prozent gelegen, waren es 2022 45 Prozent.« In der Summe sind die hierzulande nachhaltig angelegten Gelder in Fonds auf 409 Milliarden Euro gestiegen, das sind 12,5 Prozent der gesamten Fondsanlagen in Deutschland. Passend dazu: Die Werbung eines Klimafonds ist vor der Tagesschau inzwischen fast so wenig wegzudenken wie die von Bauhaus.
Vielleicht geht die Blüte der ökologischen Fondsanlage sogar zum Teil auf eine EU-Regelung zurück. Denn die verlangt von den Banken bei jeder Fondsberatung die Frage nach dem Wunsch für eine nachhaltige Geldanlage. Die Finanzaufsicht Bafin hat vor Kurzem bei einem Mystery-Shopping-Test festgestellt, dass Banken dieser Pflicht zu fast 90 Prozent nachkommen ; korrekte Informationen über die Kosten der Geldanlage gaben sie ihren Kunden hingegen nur in einem Drittel der Fälle.
Geld anlegen und dabei das Klima im Blick haben, das geht also gut. Am einfachsten mit klassischen Aktienindexfonds, die auf das Klima stärker achtgeben. Seit Jahren können Öko-Anlegerinnen und -Anleger Aktienindexfonds auswählen, die marktbreit und weltweit investieren und dabei Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen. Der entsprechende Ratgeber dazu ist bei »Finanztip« in den vergangenen Jahren 1,3 Millionen Mal aufgerufen worden .
Die Einsteigervariante
Die einfache Fondsidee: Man nimmt die Firmen, die auch in den großen Aktienindexfonds stecken, die den MSCI World abbilden mit seinen 1500 unterschiedlichen Firmen oder den S&P Global Broad Market Index oder auch den FTSE All World Index, in dem sogar die Aktien von mehr als 4100 Firmen weltweit stecken. Für eine zumindest hellgrüne Variante der großen Indizes sieben die Indexfirmen drei Viertel an Firmen aus. Übrig bleiben die, die nachhaltiger unterwegs sind: die bei ihrem Geschäftsmodell verantwortungsvoller mit der Umwelt umgehen, ihre Mitarbeitenden mit mehr Respekt behandeln, im Zweifel besser bezahlen und die als Firmen auch so gemanagt sind, dass weniger Skandale vorkommen.
Bei der Indexfamilie MSCI heißt der hellgrüne Index, in dem nur noch ein Viertel der Ursprungswerte drin sind, dann MSCI SRI – für Socially Responsible Investment. Bei S&P trägt der hellgrüne Index den Namen Dow Jones Sustainability Index World Enlarged.
Wenn Sie sich die Ergebnisse des Aussiebens nicht vorstellen können: In der nachhaltigeren Variante fehlt Apple , mutmaßlich auch wegen seines Umgangs mit den für die Handyproduktion notwendigen Rohstoffen; es fehlt Amazon , auch wegen seiner anhaltenden Gewerkschaftsfeindlichkeit; und es fehlt – trotz ökologisch vorbildlicher Werte für einen Techkonzern – der Social-Media-Gigant Meta (Facebook, Instagram, WhatsApp), nicht zuletzt, weil Zuckerbergs Mannschaft den Datenschutz auch aus Sicht der Fondsmanager einfach nicht erst genug nimmt.
Einsteigen mit mehr Klimaschutz
Halten Sie persönlich die Klimaherausforderung für besonders wichtig? Noch entscheidender als die Frage, ob der Konzernchef überbezahlt ist? Dann können Sie Ihre Sortierung auch noch stärker nach diesem Kriterium vornehmen. Firmen in Fonds, die nach dem MSCI World SRI Low Carbon Select 5 % Issuer Capped (schöner Name ) gestrickt sind, stoßen pro Dollar Umsatz 75 Prozent weniger CO₂ aus als alle Firmen gemeinsam im großen Index.
Und dabei waren die Fonds, die diesen Index abbilden, in den vergangenen 15 bis 20 Jahren für ihre Anleger genauso erfolgreich wie die Fonds, die den klassischen Weltindex abbilden. In den Jahren 2017 bis 2021 waren die hellgrünen Indexfonds sogar deutlich erfolgreicher. So brachten zwei von »Finanztip« explizit empfohlene Fonds eine Rendite von 15 Prozent im Jahr. Bei einem ETF auf den MSCI World waren es 13,5 Prozent pro Jahr.
Dabei gehorchen die hellgrünen Fonds und die hellgrünen Klimafonds auch den Anforderungen des klassischen Geldanlagedreiecks: Die Fondsanteile sind liquide, also leicht verkäuflich, sie bringen langfristig ordentliche Renditen, und sie sind wegen der Breite des Index und damit des Fonds für eine Aktienanlage relativ sicher.
Härtere Kriterien, mehr Kosten
Wollen Sie noch härter an den Wind? Wollen Sie ökologische Kriterien noch ernster nehmen – hin und wieder auch auf Kosten der Sicherheit und der Rendite – und gleichzeitig mit einiger Sicherheit (betrügerische) Greenwasher aus ihrem Anlagetopf ausschließen? Dann können Sie harte Ökofonds wählen. Greenwashing nennt man es, wenn Firmen sich als grüner verkaufen, als sie eigentlich sind. Die DWS als Fondstochter der Deutschen Bank zum Beispiel hat ihre Fonds zumindest nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft als grüner verkauft, als sie sind. Die Folge: Hausdurchsuchungen, Reputationsverluste. Das »Handelsblatt« schrieb vor einigen Wochen, die Bank verhandle nun über die Höhe des Bußgelds. Die Deutsche Bank hat im aktuellen Quartal wegen des Greenwashing-Skandals eine üppige Extrarückstellung von 20 Millionen Euro gebildet.
Mancher hält auch den E-Auto-Konzern Tesla für einen Greenwasher, weil Tesla die Rechte an seinen selbst eingesparten Verschmutzungsrechten nur meistbietend verkaufe – Emissionen müssen die anderen Unternehmen, die die CO₂-Zertifikate kaufen, dann nicht mehr einsparen. 1,7 Milliarden Dollar hat Tesla allein mit dem Zertifikateverkauf erlöst .
Als Anlegerin oder Anleger mit einer rein grünen Weste müssen Sie aber leider nach wie vor Einschränkungen in Kauf nehmen.
Erstens sind solche Fonds nur als gemanagte Varianten zu haben. Das führt zu einer doppelten Kostenerhöhung. Sie zahlen ein Fondsmanagement und Research, die nach den harten Kriterien die Firmen aussuchen, die Teil des Fondsvermögens sein können. Und das kostet viel Geld. Jedenfalls deutlich mehr als das Viertelprozent Managementgebühr, das bei Indexfonds heute üblich ist.
Hinzu kommt die Vertriebskostenbelastung solcher gemanagten Fonds. Die werden nämlich über Banken und Fondsvermittler verkauft, die von den Fondsgesellschaften als Kickback jährlich einen Teil der beim Kunden kassierten Verwaltungsvergütung bekommen. Beides zusammen führt zu Verwaltungskosten, die dann bei insgesamt 1,5 bis zwei Prozent im Jahr liegen – statt 0,25 Prozent.
Meine Kollegen bei »Finanztip« haben drei Fonds beschrieben, die ewig lange am Markt sind und in den vergangenen 15 Jahren tatsächlich eine Verdoppelung, bei einem sogar eine Verdreifachung, des eingesetzten Kapitals erreicht haben (Vergleich MSCI, MSCI SRI und die drei strengen Fonds 2008 bis 2023).
Der Aktienindex MSCI World und auch dessen nachhaltige Varianten waren an der Stelle ein ganzes Stück besser. Außerdem hatten Anleger beim klassischen Indexfonds eine ruhigere Zeit – die Schwankungen waren nicht so arg.
Wirkung des Solardachs schlägt Ihre Fonds
Wirkungsvoller für das Klima oder die Umwelt als diese Geldanlagen sind eigentlich nur noch Direktinvestitionen. Also Ihr eigenes Solardach. Und auch das hat in den vergangenen Jahren eine Renaissance erlebt. Im zweiten Halbjahr 2022 und ersten Halbjahr 2023 sind 400.000 Fotovoltaikanlagen neu installiert worden (plus 16 Prozent zum Vorjahr). Aktuell ist schon wieder von fallenden Preisen für solche Anlagen die Rede, dann lohnt sich das auch weiterhin .
Und die Zahl der Wärmepumpen als klimafreundliche Heizungen hat sich von 2020 bis 2022 verdoppelt . Auch als Öko sollten Sie allerdings nicht eine gut funktionierende Heizung rausreißen – nur bei der neuen Heizung ist die Wärmepumpe oft das Mittel der Wahl.
Solche Direktinvestitionen sind in den vergangenen 20 Jahren die wirkungsvollsten ökologischen Anlagen gewesen. Allerdings haben sie den Makel, dass Sie als Investor schon vorher ein Dach haben müssen, um nachher investieren zu können. Wer keine Immobilie besitzt, hat kein Dach, auf dem er eine Solaranlage installieren kann, und keine Heizung, die er austauschen und modernisieren kann. Tatsächlich sorgt diese Unwucht auch dafür, dass an dieser Stelle die bürgerlichen Investoren mit dem höheren Einkommen am meisten vom ökologischen Wandel profitieren. Die Ökowende hat eine tatsächliche und eigentlich auch unerwünschte Unwucht.