Hausratversicherung sind immer noch sehr teuer - DER SPIEGEL
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Hermann-Josef Tenhagen

meinung •Weniger Einbruchdiebstähle Mit diesem Argument können Sie Ihren Hausrat günstiger versichern

In Deutschland wird immer weniger eingebrochen - das müsste Hausratversicherungen eigentlich günstiger machen. Bei Ihnen nicht? Dann sollten Sie handeln und notfalls mit Kündigung drohen.
Einbruch (Symbolbild)
Einbruch (Symbolbild)

Einbruch (Symbolbild)

Foto: Daniel Maurer/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eine gute Nachricht zu Beginn: Die Zahl der Einbruchdiebstähle ist in Deutschland vergangenes Jahr auf 97.000 gefallen - ein Rekordtief. Noch drei Jahre zuvor drangen Einbrecher 167.000 Mal in Wohnungen ein.

Die Nachricht aus der Statistik des Bundeskriminalamtes ist in vielerlei Hinsicht super. Erstens, weil sie ein Zeichen für weniger Kriminalität ist. Weniger Einbrüche bedeuten weniger Unsicherheit und Trauma für die Opfer. Und natürlich auch weniger kaputte Türen und Fenster, sowie weniger gestohlenes Geld und Schmuck .

Und dann bedeuten weniger Einbrüche auch, dass es wesentlich weniger Versicherungsschäden gab: Der Einbruchdiebstahl machte im langjährigen Mittel immerhin ein Drittel der Schäden in der Hausratversicherung aus, 2017 noch 490 Millionen Euro. Die Einbrüche selbst, ohne zum Beispiel den Fahrradklau, der auch von der Hausratversicherung bezahlt wird, kosteten die Versicherer 360 Millionen Euro.

Genau an dieser Stelle müsste die gesunkene Kriminalität nicht nur für ein größeres Sicherheitsgefühl bei den Menschen und weniger Schäden sorgen. Sie müsste auch für mehr gesellschaftliche Wohlfahrt sorgen, weil 26,3 Millionen Hausratversicherungen deutlich preiswerter werden müssten. Wenn tatsächlich ein Drittel der zu begleichenden Schäden in der Hausratversicherung auf Einbruchschäden beruhen, ist die Verbindung doch eindeutig: Einbrüche sind eigentlich eingepreist, bleiben aber aus. Die Hausratversicherung sollte also für alle billiger werden.

Für die Versicherer wäre das relativ einfach machbar. Denn in der Hausratversicherung verdienen sie heute sehr viel Geld. Die Schadenquote lag schon vor dem neuen Langzeittief bei den Einbrüchen bei nur noch 41,5 % Prozent. Das heißt: Von jedem Euro, den wir Kunden für die Hausratversicherung bezahlen, wurden 2017 nur 41 Cent für Schäden an uns Kunden wieder ausgezahlt.

Gut drei Milliarden Euro nahmen die Hausratversicherer 2017 an Beiträgen ein, 1,3 Milliarden Euro gaben sie für Schäden wieder aus. Das war die niedrigste Quote seit mehr als 30 Jahren. Und die Zahl der versicherten Hausratschäden ist von insgesamt 1,5 Millionen im Jahr 2000 auf deutlich unter eine Million gefallen .

Der schöne Rest des Geldes bleibt also im Versicherungsapparat. Entweder, um dort Menschen, Häuser und Autos zu bezahlen - oder für glänzende Gewinne.

Immer weniger Schäden und ohnehin hohe Gewinne - da sollten die Preise doch jetzt fallen. Doch davon ist aktuell nichts zu sehen. Weil der Markt in der Hausratversicherung nicht gut funktioniert und der Preisvergleich für Kunden schwierig ist.

Preise für Hausratversicherungen richten sich nach der Größe der Wohnung, dem versicherten Hausrat, aber auch nach der genauen Adresse. Auf der einen Straßenseite kann der Preis deutlich höher sein als auf der anderen Straßenseite. Im Erdgeschoss höher als im fünften Stock. Für Kunden ist diese Preispolitik nicht durchschaubar .

Etwas Abhilfe schaffen Preisportale. Sie erlauben es immerhin, den Preis zahlreicher Versicherer für dieselbe Wohnung zu vergleichen. Und sie ermöglichen es, Preise an der einen Straßenecke mit denen an der nächsten zu vergleichen. Es kann sein, dass an der einen Straßenecke die eine Versicherung vorn ist, an der nächsten Straßenecke aber eine andere. Weshalb es "die beste" und "die günstigste" Versicherung für jeden Haushalt nicht gibt. Gute Portale für die Hausratversicherung bieten aber immerhin einen Vergleich von 50 oder 60 der insgesamt rund 120 Anbieter auf dem deutschen Markt. Das ist ein Anfang.

Haben Sie als Kunden erst mal verstanden, dass sich Ihre Hausratversicherung an Ihnen gerade dumm und dusselig verdient, könnte das der Beginn eines wirklichen Preiswettbewerbs sein. Wer heute 250 Euro für seine Hausratversicherung (80 qm Berlin-Neukölln) zahlt, kann ganz einfach nach einem Anbieter suchen, der für den gleichen Versicherungsschutz nur 150 Euro verlangt. Mit einem Preisportal lässt sich vielleicht auch ein Anbieter finden, der unter 100 Euro verlangt . Und mit diesem Angebot von 100 Euro in der Tasche kann ein treuer Kunde an den aktuellen Versicherer herantreten und erfolgreich feilschen. In vielen Fällen wird der Außendienstler des alten Versicherers dann ein besseres Angebot machen.

Zum Autor

Hermann-Josef Tenhagen, Jahrgang 1963, ist Chefredakteur von »Finanztip« und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation GmbH. Der Geldratgeber ist Teil der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. »Finanztip«  refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links, nach deren Anklicken »Finanztip« bei entsprechenden Vertragsabschlüssen des Kunden, etwa nach Nutzung eines Vergleichsrechners, Provisionen erhält. Mehr dazu hier .

Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift »Finanztest« geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der »taz«. Dort war er jahrelang ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Auf SPIEGEL.de schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Das liegt auch an einer Marktbesonderheit der Hausratversicherung. Sie wird oft von sogenannten Kompositversicherern angeboten. Das sind Konzerne, die ein ganzes Bündel von unterschiedlichen Versicherungen über einen eigenen Außendienst anbieten. Der Hausratversicherer bietet auch eine Haftpflicht, eine Wohngebäudeversicherung, die Kfz-Versicherung und die Rechtsschutzpolice an. Geht der Kunde wegen des überhöhten Preises in der Hausratversicherung woanders hin, droht eine Erosion der Kundenbeziehung. Das gilt für die Versicherung, aber oft auch für den jeweiligen Außendienstler, der bei solchen Kompositversicherern traditionell jedes Jahr für jeden Vertrag erneut eine Bestandsprovisionen erhält - solange der Vertrag weiterläuft.

Hat sich der Kunde im Sommer über die zu teure Hausratversicherung geärgert und gekündigt, droht im Herbst als nächstes die Kündigung der Kfz-Versicherung oder auch der Gebäudeversicherung. Jedenfalls verliert der Außendienstler auch Provisionen, er ist an einer Haltestrategie also stark interessiert.

Das können Sie als Kunde verstehen und nutzen. Sie haben das Interesse an einem günstigeren Vertrag, der Versicherungsvertreter hat das Interesse, dass Sie bleiben. Kämpfen Sie jetzt um einen besseren Deal in der Hausratversicherung. Verweisen Sie auf die Kriminalitätsstatistik. Die Versicherer können das billiger .