meinung •Sozialabgaben Ihre Krankenkasse wird teurer – was Sie jetzt tun können
Patienten im Krankenhaus (Symbolbild)
Foto:Hero Images on Offset / Shutterstock
Finanziell ist es eine größere Herausforderung als die Rente: Die Kosten des Gesundheitssystems steigen schnell weiter, die Beiträge zur Krankenkasse und die Kosten der privaten Krankenversicherung gleich mit. Auch 2026 werden die Beiträge für viele Kassenpatienten wieder höher werden, egal, was der Kanzler verspricht. Aber anders als bei der Rente haben Sie als Verbraucher beim Produkt selbst echte Handlungsmöglichkeiten. Sie können nämlich zu einer Krankenkasse wechseln, die besser und vielleicht sogar preiswerter ist. Tun Sie das.
Die Ausgangslage
Viele Krankenkassen sind finanziell überfordert und werden auch im kommenden Jahr noch einmal die Beiträge anheben müssen. Dazu tragen vier Phänomene bei.
Viele Krankenkassen gehen klamm ins neue Jahr. Von Gesetzes wegen müssen sie aber Rücklagen haben, die müssen sie also 2026 wieder aufbauen und dafür die Beiträge erhöhen. Kassen wie die Energie BKK oder Viactiv haben schon eine Erhöhung der Beiträge um 1,0 beziehungsweise 0,9 Prozentpunkte angekündigt. Verbandsfunktionäre erwarten eine Erhöhung der Beiträge um im Schnitt 0,3 Prozentpunkte, oder 7,50 Euro im Monat, wenn Sie 5000 Euro brutto verdienen. Auch meine Kollegen und Kolleginnen bei »Finanztip« gehen davon aus, dass der vom Bundesgesundheitsministerium in Aussicht gestellte durchschnittliche Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent allein wegen der fehlenden Mindestreserven nicht lange gehalten werden kann . Etliche Kassen werden erhöhen müssen.
Die Kosten im Gesundheitssystem steigen auch 2026 weiter. Mit 6,9 Prozent Kostensteigerung rechnet die Gesundheitsministerin. Die Haupttreiber sind die Krankenhauskosten und die Kosten für Medikamente. Allein die Krankenhäuser werden 2025 rund 100 Milliarden Euro kosten. Hinzu kommen über 50 Milliarden Euro für Pharmaka. Die Verwaltungsräte der Krankenkassen entscheiden dieser Tage, ob und wie weit sie 2026 die Beiträge erhöhen müssen, um steigenden Kosten und rechtlichen Anforderungen zu genügen. Ob Ihre Krankenkasse teurer wird, können Sie ganz einfach in dieser Liste nachschauen . Endgültig natürlich erst, wenn alle Kassen ihre Entscheidungen getroffen haben.
Die schlechtere Konjunkturlage und die daraus folgenden Probleme am Arbeitsmarkt sorgen dafür, dass die Kassen 2026 wahrscheinlich weniger einnehmen werden als bislang gerechnet. Sie bekommen zwar auch für Arbeitslose Geld von der Bundesagentur für Arbeit, aber eben weniger. Und bei Bürgergeldbeziehenden müssen die Krankenkassen sogar noch was drauflegen. Das räumt auch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken ein: »Jedem ist klar, dass die Kostenübernahme des Bundes für die Krankenkassenbeiträge der Bürgergeldempfänger nicht ausreicht.«
Die Koalition mit ihren eigenen Einsparplänen im Gesundheitssektor aktuell noch nicht aus dem Knick. Der Bundesrat hat die Ideen der Koalition für Sparmaßnahmen im Volumen von zwei Milliarden Euro (vor allem in den Krankenhäusern) abgelehnt . Viele Bundesländer kämpfen um jedes einzelne Krankenhaus. Die Kliniken sollten 2026 nur die realen Mehrkosten erstattet bekommen, nicht fiktive Mehrkosten. Das Thema liegt formal beim Vermittlungsausschuss, aber der hat sich noch nicht einmal konstituiert und wird sich erst am Abend des 17. Dezember das erste Mal treffen, um über das Problem zu beraten. Eigentlich müsste er dann aber entscheiden, damit das Thema noch dieses Jahr abgeräumt werden kann. Am 19. Dezember trifft sich der Bundesrat 2025 zum letzten Mal und muss über das Ergebnis des Vermittlungsausschusses abstimmen.
Und es kommt noch viel schlimmer
Die Erhöhungen 2026 sind aber nicht das Schlimmste. Sie werden nach allem, was aktuell zu sehen ist, eher gering ausfallen. In den kommenden Jahren aber könnten die Kosten durch die Decke gehen. Jens Baas, der Chef der größten deutschen Krankenkasse, der Techniker Krankenkasse, prognostiziert noch vor 2030 Beiträge von über 20 Prozent im Schnitt. Die Kosten für die Pflegeversicherung kommen noch dazu, das wäre dann viel, viel teurer als die Entwicklung in der Rente. Prognosen für 2040 sprechen sogar von 30 Prozent Beiträgen für Krankenkassen und Pflege. Eine Verdoppelung seit 2010. Zum Vergleich: In der Rentenversicherung sind die Beiträge seit der Jahrtausendwende nach Reformen von über 20 Prozent um 1,5 Prozentpunkte auf 18,6 Prozent gefallen .
Für Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind die Kostenrisiken hier also deutlich höher als in der ideologisch ziemlich aufgeladenen Rentendiskussion.
Vorschläge der Krankenkassen
Die Krankenkassen verlangen aktuell sehr unterschiedlich hohe Zusatzbeiträge , um ihre Kosten bezahlen zu können. Die Unterschiede beruhen auch auf unterschiedlich gutem Management einzelner Kassen. Insgesamt aber werden die Kosten vom System getrieben. Deutschland leistet sich zum Beispiel deutlich mehr Krankenhausbetten pro 10.000 Einwohner als andere Staaten. Hierzulande wird traditionell auch viel mehr Geld für Medikamente ausgegeben. Die großen Pharmakonzerne wissen ihre Honigtöpfe zu verteidigen. Diese Woche erst schimpften die AOKs über die Pharmakonzerne, die die Kosten für die Kassen seit 2011 um 125 Prozent hätten steigen lassen.
Zudem sagen die Krankenkassen, sie müssten auch viel Geld für Bürgergeldempfänger, familienversicherte Ehepartner und Kinder ausgeben, für die sie aber entweder keine ausreichenden oder sogar gar keine Beiträge erhalten . Und auch nicht hinreichend Ersatz aus der Steuerkasse. Politisch ist das auch ein Problem, weil Privatversicherte, also vor allem Beamte, Selbstständige und Besserverdiener, so nicht in gleichem Maße an der Finanzierung der Bürgergeldkosten beteiligt werden wie die gesetzlich Versicherten. Tatsächlich hat der GKV-Spitzenverband die Bundesrepublik Deutschland auf zehn Milliarden Euro im Jahr verklagt, die man zusätzlich vom Steuerzahler für die Leistungen von Bürgergeldbeziehenden haben möchte .
Systemwechsel als Versicherter
Wehren Sie sich! Anders als bei der Rente können Sie in der Krankenversicherung das Unternehmen wechseln. Wenn Sie gut genug verdienen, könnten Sie sogar in die private Krankenversicherung wechseln. Dort können Sie als Gutverdiener aktuell – vor allem in jungen Jahren – den Versicherungsschutz für sich selbst deutlich preiswerter bekommen . Kinder müssen Sie aber extra versichern. Und auch der nicht arbeitende Ehepartner muss extra versichert werden. Im Alter kommt dann noch dazu, dass die Beiträge eben nicht wegen des niedrigeren Einkommens fallen, sondern gleich hoch bleiben oder gar noch deutlich steigen. Also nur eine Lösung, wenn Sie auch im Alter wohlhabend sind. Zurück in die gesetzliche Krankenkasse kommt man dann nämlich nicht mehr, den Rückweg hat der Gesetzgeber weitgehend verbaut.
Kassenwechsel als Versicherter
Alternativ können Sie zu einer besseren und/oder günstigeren Krankenkasse wechseln . Die Beitragsunterschiede sind so, dass Sie bei 5000 Euro Bruttolohn im Monat schnell über 50 Euro im Monat sparen. Und Ihr Arbeitgeber noch einmal genauso viel. Maximal 60 Euro sind drin, wenn Sie noch etwas besser verdienen und zum Beispiel von der Knappschaft zur BKK Firmus wechseln. Die tatsächliche Ersparnis fällt etwas kleiner aus, weil der niedrigere Beitrag den zu versteuernden Lohn erhöht und damit auch die Steuer. Der Vergleich geht inzwischen recht einfach.
Sie wollen aber kein Kassenhopping betreiben
Wenn Sie jetzt sagen, Sie wollen kein Kassenhopping betreiben, verstehe ich Sie gut. Wenn Sie zum Beispiel mit ein bisschen Beschäftigung mit dem Thema entdecken, dass Ihre Kasse auch Zahnreinigung bezuschusst oder ein ausgefeiltes Gesundheitsprogramm bietet, dann hat sich doch der Gedanke schon gelohnt.
Der Wechsel der Krankenkasse zu einer preiswerteren Alternative hingegen ist vor allem dann eine gute Option, wenn Ihre Ansprüche an die Kasse überschaubar sind und/oder Sie gutes Management schätzen. Der Kern der Kassenleistungen ist nämlich gleich. Die Kassen unterscheiden sich vor allem durch gutes oder nicht so gutes Management.
Wechsel ist ganz einfach
Wenn Sie zum Wechsel entschlossen sind, ist der Weg ganz einfach. Einen Überblick über Beitrag und Leistungen der Krankenkassen bekommen Sie in dieser Tabelle . Wenden Sie sich dann einfach an die neue Kasse, die erledigt den Rest inklusive der Wechselbürokratie. Sollte das Ganze doch nicht so gut klappen, wie Sie sich das erhofft haben, können Sie nach zwölf Monaten zurück. Oder zu einer dritten, besseren Krankenkasse gehen. Wenn Sie noch im Dezember wechseln, sind Sie ab Anfang März Mitglied der neuen Kasse. Erhöht Ihre neue Krankenkasse zwischenzeitlich den Beitrag, können Sie auch vor Ablauf der Jahresfrist wieder wechseln.
In den Wochen bis zum Jahreswechsel müssen eigentlich alle Kassen überlegen, wie hoch ihre Beiträge im kommenden Jahr sein sollen. Jetzt können Sie also Ihre Kasse und Ihre Wunschkasse in der aktuell vertrackten Finanzsituation beobachten.
Haben Sie sich einen Reim gemacht, dann handeln Sie und beantworten vor dem neuen Jahr die Frage: Bleiben oder gehen? Verbessern können Sie sich in jedem Fall.