Immobilienmarkt 2017 Ein Boom, von dem die Mittelschicht nichts hat
Häuser in Köln (Archivfoto)
Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpaAuf dem deutschen Immobilienmarkt wurde 2017 deutlich mehr umgesetzt als im Vorjahr. Das Transaktionsvolumen stieg um rund 9,7 Prozent auf 72,8 Milliarden Euro. 2016 waren es noch 65,7 Milliarden Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst & Young (EY).
Der Großteil des Gesamtvolumens entfiel demnach mit 57,2 Milliarden Euro auf gewerbliche Immobilien. Bei Wohnimmobilien betrug das Volumen 15,6 Prozent.
Für die Studie hat EY 220 Investoren, die auf dem deutschen Markt aktiv sind, zu ihrer Marktprognose für 2018 befragt - darunter Banken, Projektentwickler, Wohnungsgesellschaften, sogenannte Family Offices und Private-Equity-Fonds. Eines der Ergebnisse: 2018 könnte das Transaktionsvolumen - auf einem historisch insgesamt sehr hohen Niveau - moderat sinken.
Wohnraum in Ballungszentren ist nach wie vor knapp und der Neubau von Wohnungen ein wichtiges Thema für die Branche. Allerdings falle Wohnraum für Normalverdiener und Familien weitgehend durch das Raster, wenn neu gebaut wird, sagt Christian Schulz-Wulkow, Leiter des Immobiliensektors bei EY und verantwortlich für die Studie. "Im Fokus stehen entweder die Geringverdiener mit Anspruch auf geförderten Wohnraum oder aber das gehobene Preissegment." Dennoch rechnen 67 Prozent der Befragten für das laufende Jahr mit weiter steigenden Wohnungspreisen in sogenannten 1a-Lagen, bei 1b-Lagen sind es sogar 76 Prozent.
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Berlin und Frankfurt besonders beliebt
Neun von zehn Befragten sehen Deutschland insgesamt als attraktiven oder sehr attraktiven Standort für Immobilieninvestments. Besonders hoch in der Gunst stehen Berlin und Frankfurt: Die Hauptstadt sei vor allem für Wohnungsinvestments, Frankfurt für das Bürosegment attraktiv, sagt Paul von Drygalski, Co-Autor der Studie.
Der Einfluss einer neuen Regierung auf die deutschen Immobilienmärkte dürfte eher gering sein - so die Einschätzung von 86 Prozent der Befragten. "Sie haben einen Wunschzettel an die neue Regierung formuliert, bei welchen Themen Handlungsbedarf besteht: Es geht darum, den Wohnungsneubau - insbesondere im bezahlbaren Segment - zu fördern, statt ihn durch immer mehr Regulierung zu hemmen", so Schulz-Wulkow.
Beispiele seien die Bau- und Energievorschriften sowie die Mietpreisbremse. "Der schleppende Prozess einer neuen Regierungsbildung spricht allerdings nicht dafür, dass die Wunschliste schnell umgesetzt wird", so Schulz-Wulkow. "Zum Zeitpunkt der Umfrage sah es noch klar nach einer Jamaika-Koalition aus und der Rückzug der FDP aus den Koalitionsgesprächen kam etwas überraschend."
Den demografischen Wandel sehen 87 Prozent der Befragten als wichtigsten Trend der kommenden fünf bis zehn Jahre. Den zweitgrößten Impuls sieht die deutsche Immobilienwirtschaft in der Digitalisierung. "Die Beurteilungskriterien für Anlageobjekte werden sich verschieben", sagt Schulz-Wulkow. "Konnektivität wird genauso wichtig wie die Lage."
Steigende Zinsen erwartet
Die Teilnehmer wurden auch zum Thema Zinsentwicklung befragt. Zwar erwarten 93 Prozent von ihnen, dass sich die Niedrigzinsphase ohne sprunghafte Veränderung in diesem Jahr fortsetzt. Aber die Sorge vor einem graduellen Anstieg nimmt zu: Im vergangenen Jahr erwarteten nur 12 Prozent einen Zinsanstieg, in diesem Jahr sind es 40 Prozent.
"Vor allem das Wohnimmobiliensegment, auf dem in diesem Jahr wieder ein starker Investmentfokus liegt, leidet ohnehin schon unter hohen Preisen und einer knappen Verfügbarkeit", sagt Paul von Drygalski. "Wenn sich der Renditevorsprung gegenüber festverzinslichen Anlagen verkleinert, könnten die Herausforderungen beim Immobilienankauf noch größer werden."