Steigende Preise Inflation frisst Lohnsteigerungen auf
Weihnachtsshopping in Berlin: Preisbereinigt sind die Tariflöhne auf dem Stand des Jahres 2016
Foto: Fabian Sommer / dpaDie Inflation geht wieder zurück, doch am Ende des Jahres 2023 haben viele Deutschen de facto weniger Gehalt zur Verfügung – trotz steigender Tariflöhne. Denn viele Tarifbeschäftigte müssen trotz vergleichsweise hoher Abschlüsse im laufenden Jahr erneut Reallohnverluste hinnehmen.
Konkret stiegen die Tariflöhne im laufenden Jahr im Schnitt um 5,6 Prozent. Damit blieben sie unter der Teuerung, die im gleichen Zeitraum voraussichtlich 6,0 Prozent betrug. Das geht aus einer Auswertung der gewerkschaftlichen Böckler-Stiftung hervor, die Tarifverträge für zusammen rund 14,8 Millionen Beschäftigte untersucht hat.
Erst unter Berücksichtigung der individuellen Steuer- und Abgabenvorteile durch hohe Einmalzahlungen sei in den meisten Fällen die Inflation doch übertroffen worden, teilte der Leiter des stiftungseigenen WSI-Tarifarchivs, Thorsten Schulten, mit.
Die aktuellen Reallöhne entsprechen den Böckler-Berechnungen zufolge nach drei Minusjahren nun wieder dem Niveau von 2016.
Sonderzahlungen bereits berücksichtigt
Nominale Tarifsteigerungen in dieser Höhe hat es seit Einführung der laufenden Statistikreihe im Jahr 1998 nicht gegeben. Ebenso beispiellos in diesem Zeitraum ist allerdings auch die nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine stark gestiegene Inflation. Um die Folgen für die Beschäftigten zu lindern, hatte die Bundesregierung mit Arbeitgebern und Gewerkschaften vereinbart, in den Jahren 2023 und 2024 tarifliche Sonderzahlungen bis zu einer Höhe von 3000 Euro steuer- und abgabenfrei zu stellen.
Beispielhaft nannte Schulten den Abschluss im öffentlichen Dienst des Bundes und der Gemeinden. Dieser habe mit den Einmalzahlungen Gehaltssteigerungen von 9,8 Prozent gebracht, ohne sie wären es nur 6,8 Prozent gewesen.
Die Einmalzahlungen selbst sind in die Berechnungen für 2023 eingeflossen und dämpfen nun für die kommenden Jahre die erwartbaren Lohnsteigerungen. Durch sie hätten, wie von der Politik beabsichtigt, die Preissteigerungen im laufenden Jahr ausgeglichen werden können, sagte Schulten. Die pauschalen Inflationsausgleichsprämien seien vor allem den unteren Lohngruppen zugutegekommen, die auch von den häufig vereinbarten Festbeträgen beim Lohnzuwachs überdurchschnittlich profitierten.
»Die Tarifvertragsparteien haben damit der Tatsache Rechnung getragen, dass die unteren Lohngruppen in besonderem Maße unter den hohen Preissteigerungsraten leiden«, so Schulten. Für das kommende Jahr erwartet der Experte angesichts sinkender Inflationsraten etwas weniger Druck auf die Vertragspartner. Allerdings bestehe angesichts der Reallohnverluste aus den vergangenen Jahren nach wie vor ein hoher Nachholbedarf.