Inflation im Juni Teure Lebensmittel treiben Verbraucherpreise
Supermarkt in Köln: Nahrungsmittel auch wegen Dauerregens teurer
Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpaWiesbaden - Deutlich teurere Nahrungsmittel und Energie haben den Preisanstieg in Deutschland im Juni verschärft. Die Verbraucherpreise erhöhten sich um 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, teilte das Statistische Bundesamt aufgrund einer ersten Schätzung mit. Bereits im Mai hatte die Inflation wieder auf 1,5 Prozent zugelegt, nachdem sie monatelang gesunken war.
Mit 5,4 Prozent im Vergleich zum Juni 2012 verteuerten sich Lebensmittel besonders stark, und das bereits den vierten Monat in Folge. Dieser Trend dürfte mit ein Grund für die wesentlich höheren Umsätze der Einzelhändler in diesem Bereich sein, den die Statistiker für den Monat Mai ermittelt hatten.
Für den jüngsten Anstieg der Lebensmittelpreise sorgten nach Einschätzung der Commerzbank-Ökonomin Ulrike Rondorf zumindest teilweise die Überflutungen in Teilen Deutschlands. Sie hätten zu Ernteausfällen und Verzögerungen beim Transport geführt.
Laut Landwirtschaftsministerium wurden fast eine halbe Million Hektar Agrarland durch Überschwemmungen und Starkregen in Mitleidenschaft gezogen. "Auf vielen Feldern und Höfen steht noch immer das Wasser", teilte das Ministerium mit. Der finanzielle Schaden für die Landwirtschaft wird bisher auf 400 Millionen Euro geschätzt.
Ökonomen erwarten Inflation von mehr als zwei Prozent
Auch schlechte Ernten andernorts - etwa in Neuseeland - dürften eine Rolle für den starken Preisanstieg gespielt haben. "Von dort wird viel Obst importiert, das im Preis derzeit besonders kräftig steigt", sagte Rondorf.
Für Energie mussten die Verbraucher im Juni drei Prozent mehr bezahlen. "Die Details aus den Bundesländern zeigen jedoch auch, dass sich der Trend zu höheren Preisen für eine Vielzahl von Dienstleistungen fortsetzt", schreiben Volkswirte der Commerzbank in einer Analyse. "Reisen, Hotelübernachtungen und Restaurantbesuche verteuerten sich in der ersten Jahreshälfte unabhängig von der Lage der Ferien spürbar."
Den Ökonomen zufolge spiegele das wider, dass die verfügbaren Einkommen in Deutschland derzeit deutlich stiegen. Sie erwarten daher, dass die Inflationsrate mittelfristig über der Zwei-Prozent-Marke festsetzen wird.