meinung •DSL-Anbieter Wie Sie Ihren Netzanschluss schneller machen - oder zumindest günstiger
Mein Bruder ist Bauer, sein Hof ist seit 400 Jahren in Familienbesitz, und er weiß, wie man mit einem Pflug umgeht. Deshalb hat er selbst gegraben - und jetzt hat er richtig schnelles Internet.
Ihre Erfahrung bringt den Bauern neuerdings einen unerwarteten Standortvorteil: Die Landwirte an der Grenze von Westfalen und Rheinland haben nämlich einen Verein gegründet und ihre Glasfaserkabel selbst verlegt. Das ist nicht so einfach, wie es klingt: Man braucht das richtige Gerät, gerade Furchen müssen über lange Strecken gezogen und Verhärtungen im Boden richtig eingeschätzt werden. Mitarbeiter des Stadtwerks der Nachbargemeinde Rhede haben den Landwirten geholfen, das Ganze war für neue Anschlüsse auf dem Land echt preiswert, und ihr Anschluss hat jetzt 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Für Gewerbetreibende bietet das Stadtwerk auch 200 Mbit/s.
Ich hingegen sitze zu Hause in der Berliner Innenstadt mit einem sogenannten 50-Mbit/s-Anschluss und komme nicht mal in die Nähe dieses Werts. Das habe ich selbst mit einem Testprogramm der Bundesnetzagentur geprüft. Die Telekom schreibt mir lapidar, bei 50 Mbit/s garantiere sie 27,9 Mbit/s. Das hatte ich mir nicht so vorgestellt, aber selbst diese vertraglich zugesagte Leistung bekomme ich nicht. Ich durfte sogar froh sein, überhaupt Netz zu haben: Der Telekom-Techniker brauchte damals zwei Anläufe, um in der 30 Jahre alten Dachgeschosswohnung eine funktionierende Buchse fürs DSL zu finden.
Dabei hätte ich zur Not sogar die Auswahl. Bei uns im Haus liegt nicht nur DSL an. Wir haben auch ein TV-Kabel, ich könnte also zum Kabelanbieter wechseln.
Wenn der Anschluss einmal richtig liegt, dann haben Sie die große Auswahl. Denn der Kampf ums schnelle und preiswerte Netz tobt überall in der Republik. Mit diesen fünf Tipps profitieren Sie am meisten davon:
Erstens: Wenn Sie einen Kabelanschluss in Ihrem Haus und nicht ganz außergewöhnlich hohe Anforderungen an Ihr Netz haben, nutzen Sie die Chance. Kabel-Internet ist verlässlicher und fast immer preiswerter. Ein guter Kabelanschluss für die Familie, bei dem Ihre Kinder Netflix und YouTube nutzen können, während Sie digital die "Tagesschau" sehen und Ihre Frau oder Ihr Mann in den digitalen Weiten nach dem besten Deal für den Sommerurlaub sucht, ist für unter 30 Euro zu haben . Haben Sie einen älteren Tarif, sind die Chancen zum Sparen besonders ausgeprägt. Denn es gilt wie beim Handy: Heute kriegen Sie mehr Leistung für weniger Geld.
Zweitens: Wenn Sie keinen Kabelanschluss haben, prüfen Sie die unterschiedlichen Angebote der DSL-Anbieter. Am günstigsten ist aktuell häufig O2 mit seinem Tarif "my Home M". Zwei Euro teurer ist "Red Internet 50 DSL" von Vodafone. Solche 50-Mbits-Tarife wickeln das Familienprogramm locker ab, wenn die vertraglich zugesagte Leistung verfügbar ist.
Drittens: Wenn's dann doch ruckelt, prüfen Sie die Netzqualität. Dazu bietet die Bundesnetzagentur ein kostenloses Tool an. Gerade hat die Netzagentur in ihrem Jahresbericht allerdings mitgeteilt, dass im Festnetz nur knapp 13 Prozent der Kunden tatsächlich die vertraglich versprochene Leistung bekommen und fast 30 Prozent noch nicht einmal die Hälfte der zugesagten Mindestleistung . Warum die Netzbetreiber wegen dieser Täuschung politisch noch nicht zur Rechenschaft gezogen werden, müssen Sie Bundesdigitalminister Horst Seehofer fragen.
Hermann-Josef Tenhagen, Jahrgang 1963, ist Chefredakteur von »Finanztip« und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation GmbH. Der Geldratgeber ist Teil der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. »Finanztip« refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links, nach deren Anklicken »Finanztip« bei entsprechenden Vertragsabschlüssen des Kunden, etwa nach Nutzung eines Vergleichsrechners, Provisionen erhält. Mehr dazu hier .
Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift »Finanztest« geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der »taz«. Dort war er jahrelang ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Auf SPIEGEL.de schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.
Viertens: Den Nachweis, dass die Leistung nicht vertragsgerecht erbracht wurde, bekommen Sie selbst hin, zum Beispiel indem Sie zeigen, dass die "vertraglich vereinbarte minimale Geschwindigkeit an mindestens zwei Messtagen jeweils unterschritten wird ".
Sie müssen dafür hartnäckig sein und Schritt für Schritt vorgehen. Zuerst prüfen Sie, ob es an Ihren Geräten liegt. Falls die in Ordnung sind, prüfen Sie mit dem Dienstleister (Hotline anrufen) und dessen Kundendienst, ob durch Neueinstellung oder Reparatur die Geschwindigkeit erhöht werden kann.
Wenn das alles nicht hilft, wechseln Sie das System wenn Sie können, also von DSL zu Kabel oder umgekehrt. Geht auch das nicht, nutzen Sie Ihre Messungen für einen Preisnachlass beim Anbieter. Dabei kann die Schlichtungsstelle der Bundesnetzagentur helfen - oder aber die Verbraucherzentralen .
Das alles kann dauern. Einfacher ist aktuell, erst mal wenigstens preislich zu optimieren, was Sie kriegen.
Fünftens: Sind Sie allein zu Haus, brauchen Sie keine 50 Mbit/s. Sie können also sparen und die günstigen Tarife mit geringerer Geschwindigkeit wählen. Vorteile haben dabei Haushalte mit Kabel in Baden-Württemberg, Hessen und NRW. Dort bietet die Vertriebsfirma Eazy bei Kabelanschlüssen von Unitymedia 20 Mbit/s mit allen Nebenkosten und Rabatten für unter 18 Euro im Monat an. In Ostdeutschland inklusive Berlin bietet der Kabelzusammenschluss Pyur die gleiche Leistung für 25 Euro an, mit dem Extravorteil kurzer Vertragslaufzeiten . Die entsprechenden DSL-Angebote liegen hier in der Preisklasse knapp unter 30 Euro.
Am vergangenen Montag sah ich einen Bericht von der 5G-Auktion der Bundesnetzagentur. Wieder geht es ums schnelle Internet, diesmal mobil. Und wieder weiß ich, dass aktuell der Frust in der Republik groß ist. Noch nicht einmal 20 Prozent der Netzkunden bekommen von den Mobilfunkfirmen wenigstens die Hälfte der Netzleistung, die ihnen vertraglich zugesagt ist.
Mir geht das Lächeln meines Bruders nicht aus dem Kopf, als er mir stolz sein selbst verlegtes Kabel präsentierte. Ein tolles Gefühl, wenn man sich so selbst helfen kann.