Katherina Reiche erwartet 2026 kaum Wirtschaftswachstum - DER SPIEGEL
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Frühjahrsprognose der Bundesregierung Reiche erwartet 2026 kaum Wirtschaftswachstum

Die Irankrise macht die Aussichten auf einen Aufschwung in Deutschland zunichte, die Regierung geht nur noch von rund einem halben Prozent Wachstum aus. Die Inflation dürfte dagegen in die Höhe schießen.
Wirtschaftsministerin Reiche bei der Eröffnung der Industriemesse in Hannover: Magere Aussichten
Wirtschaftsministerin Reiche bei der Eröffnung der Industriemesse in Hannover: Magere Aussichten

Wirtschaftsministerin Reiche bei der Eröffnung der Industriemesse in Hannover: Magere Aussichten

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Hannibal Hanschke / EPA

Die Vorstellung der Frühjahrsprognose ist schon seit einigen Jahren ein trauriges Ritual für deutsche Wirtschaftsminister. Dieses Jahr ist es Katherina Reiche (CDU) erstmals eine Frau, der die zweifelhafte Ehre zuteilwird, im Frühling die mauen Zahlen zur deutschen Wirtschaft zu verkünden. Für den Mittwoch ist dazu eine Pressekonferenz angesetzt.

Zwar geht die Bundesregierung nach SPIEGEL-Informationen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr zwischen 0,5 und 0,6 Prozent wachsen wird. Doch damit muss sie ihre Schätzung aus dem Januar deutlich nach unten korrigieren. Damals hatte sie noch mit 1,0 Prozent gerechnet. Zum Vergleich: Im Jahr 2025 hatte es ein Miniwachstum von 0,2 Prozent gegeben, nach zuvor zwei Rezessionsjahren mit schrumpfender Wirtschaftsleistung.

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Ähnlich negativ fällt der Trend bei der Inflation aus. Die soll mit 2,7 Prozent deutlich an Fahrt aufnehmen. Als Grund dürfte Reiche die hohen Energiepreise nennen, die sich im Laufe des Jahres langsam auch auf andere Güter wie Lebensmittel ausweiten werden.

Auch für 2027 macht die Bundesregierung bei ihren Wirtschaftsprognosen deutliche Abstriche. Beim Wachstum des Bruttoinlandsprodukts geht sie nur noch von 0,9 Prozent aus, eine deutliche Verschlechterung gegenüber den 1,3 Prozent, die sie noch Anfang des Jahres erwartet hatte.

Krieg setzt Weltwirtschaft unter Druck

Die Vorhersagen sind mit einer großen Unsicherheit behaftet. Das liegt an der ungewissen Lage am Persischen Golf, wo immer noch kein regulärer Schiffsverkehr möglich ist.

Die Folgen sind rund um den Globus zu spüren. Das Wachstum der Weltwirtschaft, so Kristalina Georgieva, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington, werde sich auf zwei Prozent verlangsamen. Ihre Institution hat verschiedene Szenarien durchgerechnet, auch für Deutschland. Ähnlich wie die Bundesregierung rechnet der IWF selbst bei einem milden Verlauf der Krise damit, dass sich das für dieses Jahr prognostizierte Wachstum abschwächt. Er geht von 0,8 Prozent aus. Es gibt aber auch ein ungünstiges Szenario, bei dem die Wirtschaftsleistung stagniert oder sogar wieder ins Negative rutscht.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hatte vergangene Woche die IWF-Frühjahrstagung in Washington besucht und dort gesagt, der Krieg habe »eine massive Auswirkung auf unser Wachstum und auf die wirtschaftliche Stärke«. Auf dem Rückflug aus der US-Hauptstadt sagte er dem SPIEGEL: »Wir sind in einer Situation, die ähnlich herausfordernd ist wie die Energiekrise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine. »Die Beratungen haben mir noch mal gezeigt, dass diese Krise größer und hartnäckiger ist, als viele glauben.«

Für die Bundesregierung bedeuten die schlechteren Prognosen einen noch größeren Druck, ihre Reformagenda umzusetzen, mit dem die deutsche Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs gebracht werden soll.