Zusatzbeitrag Krankenversicherte müssen noch mehr draufzahlen
Gesundheitskarte in einem Lesegerät (Archivbild)
Foto: Bernd Thissen/ picture alliance / dpaGesetzlich Krankenversicherte müssen sich auf weiter steigende Beiträge einstellen. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sagt für 2017 einen Anstieg des durchschnittlichen Zusatzbeitrags um bis zu 0,3 Prozentpunkte auf dann rund 1,4 Prozent vom Einkommen voraus. Bei 2000 Euro Monatsbruttoeinkommen wären das sechs Euro zusätzlich.
"Wir haben die Realität, dass es auch in den nächsten Jahren steigende Zusatzbeiträge geben wird", sagte Verbandschefin Doris Pfeiffer bei einer Veranstaltung in Nauen. 2019 werde der Zusatzbeitrag wohl im Schnitt bei 1,8 Prozent liegen.
Dieser Beitrag kommt zum allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent dazu, den sich die Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen. Den Zusatzbeitrag müssen die 54 Millionen Kassenmitglieder hingegen allein zahlen.
"Die Ausgaben steigen weiter weit stärker als die Einnahmen", begründete Pfeiffer die Erhöhungen. Hintergrund seien unter anderem Reformen zugunsten von Ärzten und Kliniken. Der Gesetzgeber solle bei Gesetzesänderungen die Ausgabenseite im Blick behalten.
Pfeiffer beklagte zudem, dass die Kassen zu wenig Geld für Hartz-IV-Bezieher erhielten. Statt der derzeit gezahlten 90 Euro seien im Schnitt 136 Euro pro Monat nötig. 2016 gebe es deswegen eine Finanzierungslücke von 2,3 Milliarden Euro. Wenn bald mehr Flüchtlinge anerkannt würden, sie zunächst arbeitslos würden und somit Hartz IV bekämen, müsse der Satz umso dringender angehoben werden.
Die Opposition warf der Bundesregierung vor, einseitig in die Taschen der Arbeitnehmer zu greifen. Die Koalition sorge so für "weniger Netto", sagte der Linken-Gesundheitspolitiker Harald Weinberg. Die Grünen-Abgeordnete Maria Klein-Schmeink forderte, der Arbeitgeberanteil dürfe nicht länger eingefroren bleiben.