Kundenboykott Tankstellen drohen wegen E10 Millionenstrafen
Zapfsäule mit E10: Erwartete Strafzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe
Foto: dapdBerlin - Die Mineralölkonzerne erwarten wegen der missglückten E10-Einführung Hunderte Millionen Euro an Strafe. Die Tankstellen würden in diesem Jahr nicht die vorgeschriebene Biokraftstoff-Quote erreichen, schätzt Peter Blauwhoff, Deutschland-Chef von Shell . Es sei "ganz und gar unmöglich geworden, die Quote in diesem Jahr zu erreichen", sagte er dem "Tagesspiegel".
6,25 Prozent der Gesamtmenge des in diesem Jahr verkauften Kraftstoffs muss Biokraftstoff sein. Erreichen wollten die Tankstellen das nicht über den Verkauf reinen Biosprits, sondern über die erhöhte Beimischung von Ethanol in dem umstrittenen neuen Superbenzin E10. Derzeit tankten die Autofahrer ungefähr so viel E10 wie herkömmlichen Kraftstoff, sagte Blauwhoff. Geplant habe die Mineralölindustrie jedoch mit 90 Prozent E10. Bleibe es beim bisherigen Tankverhalten, kämen auf die Tankstellen daher Strafzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe zu.
Für die Ablehnung von E10 durch die Autofahrer machte Blauwhoff nicht Unwissen über die Verträglichkeit verantwortlich, sondern "eine Protesthaltung". "Ich bin verwundert. E10 ist unser 'Stuttgart 21'", klagte der Shell-Deutschland-Chef. Die Gesetzgebung sei "ordnungsgemäß durch alle demokratischen Schritte gegangen", betonte er. Trotzdem werde sie "faktisch zu Fall gebracht".
E10 ist umstritten, weil einige Motoren die höhere Ethanolbeimischung nicht vertragen. Viele Autofahrer scheuen sich daher davor, den neuen Kraftstoff zu tanken und weichen stattdessen auf das teurere Super Plus aus, das nur fünf Prozent Ethanol enthält. Außerdem rät einer Umfrage zufolge die Mehrheit der Autohäuser ihren Kunden von E10 ab.
Zudem ist auch der ökologische Effekt des sogenannten Biosprits umstritten. Umweltschützer befürchten einen Verdrängungseffekt zu Lasten des Anbaus von Lebensmitteln und eine Zerstörung von Wäldern und anderen Naturräumen.